Programmieren – das neue Latein?

Unter anderem, weil ich es genauso sehe, werde ich an die Schule gehen:

BBC News: Coding – the new Latin.

Ja, man kann im 21. Jahrhundert überleben, ohne zu verstehen, was Programmieren bedeutet – genauso wie man (spätestens seit 1534) in Deutschland auch ohne Latein zurechtkommen konnte.

„Aber Latein zeigt wie Sprache allgemein funktioniert und schult das abstrakte Denken…“ Stimmt schon, mir hat’s damals auch Spaß gemacht, vor 20 Jahren in der Latein-AG in der nullten (!) Stunde. Aber trotzdem: I call your Latin and raise you my Computer Science!

Nachtrag: Den Royal Flush unter den Schulfächern (um bei der Poker-Metapher zu bleiben) habe ich gestern ganz vergessen. Natürlich ist in allererster Linie Englisch das neue Latein. Werde ich leider nicht unterrichten. Aber den Schülern sicher regelmäßig predigen, wie entscheidend wichtig das für sie sein wird, fast egal was sie später mal tun werden. Ja, okay, und Deutsch auch.

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2 Gedanken zu „Programmieren – das neue Latein?

  1. Coding ist nicht das neue Latein. Coding ist Spielen! Das Erlebe ich immer wieder.

    In einer zwölften Klasse lasse ich eine Zustandsautomaten auf verschieden Arten programmieren. Im Internet fand ich als Erklärung des entsprechenden Entwurfsmusters das Beispiel „Freundin“. Also haben sich meine Schüler eine Freundin programmiert.

    In der neunten Klasse lasse ich in Excel Spiele „programmieren“, wobei die Schüler keine Zeile VBA programmieren. Jedes Spiel funktioniert nur mit Formeln in den Zellen. Und die Schüler haben Spaß. Sie können selbst tätig werden, etwas schaffen, etwas, das am Ende auch funktioniert. Sie erleben eine Selbstwirksamkeit, wie sie sie sonst nur wenig im Unterricht erleben. Doch genau das möchte ich meinen Schülern geben. Sie sollen erleben, das sie etwas selbst schaffen können, was sie vorher nicht konnten und das der Weg dahin, genauso wie das Ziel, ein angenehmes Gefühl von Stolz hinterlässt.

    • Je nachdem, wie man zu Latein steht, hinkt die Metapher natürlich etwas. Was ich damit meine ist: Ich glaube, dass informatisches Denken etwas ist, das für jeden Menschen (und damit auch jeden Schüler) nützlich und bereichernd sein kann (selbst wenn er keinen IT-bezogenen Beruf wählt), weil es sowohl analytisches als auch kreativ-problemlösendes Denken verbindet. Insofern hat Informatik das, womit Latein eben immer beworben wurde/wird: Man lernt etwas über das das Wesen des Problemlösens (s. Polya) an sich.

      Den riesigen Vorteil gegenüber Fächern wie Latein und Mathe, die ähnliches für sich beanspruchen, sprichst du an: den spielerischen Zugang, das Ausprobieren und Experimentieren, den „eingebauten“ Feedback-Loop. Ich sehe es ganz genauso wie du: Coding ist Spielen, und deshalb kann Informatikunterricht ein Ort sein, wo spielerisch gearbeitet wird. Und, ja, auch ein Ort, wo an Spielen gearbeitet wird! Deshalb stehen auch Scratch und Processing ganz oben auf meiner Wunschliste, als Zielplattformen für Projekte möglichst der Browser oder das Handy, weil das die Schüler (hoffentlich) in ihrer Alltagswelt abholt und ihnen ermöglicht, etwas „Cooles“ zu schaffen.

      Das ist ja fast schon wieder ein Blog-Eintrag. Bevor ich jetzt noch auf mein Lieblingsthema „Mädchen für Informatik begeistern“ komme, höre ich lieber auf.

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