Mathematik

Nach dem, sagen wir, „administrativ geprägten“ ersten Tag, hatte ich heute gestern meine erste Fachdidaktik.  In Mathematik.  Und die hat mir sehr gut gefallen!

Bisher war von Mathe hier noch nicht die Rede (nur der Verweis auf GeoGebra im allerersten Blogeintrag mag dem Kundigen ein Hinweis auf mein zweites Fach gewesen sein).  Das liegt daran, dass ich zu Mathe und erst recht zur Mathedidaktik bisher nicht viel zu sagen hatte.  Ich habe mich – hier kann ich ja offen sprechen – auch bis vor Kurzem nie als Mathematiker gesehen, obwohl ich im Studium und in der KI-Forschung immer viel mit Mathe zu tun hatte.  Aber ich hab nie mit der gleichen Begeisterung inhaltlich für das Fach gebrannt wie für die Informatik.  (Im Herzen bin ich ja, vielleicht hat man das ja schon gemerkt, eher ein verhinderter Geisteswissenschaftler. Und beneide Herrn Rau ein wenig um seine Fächerkombination.) Dann hatte ich aber vor ein paar Monaten die Erkenntnis, dass ich zwar vielleicht kein Mathematiker sein kann und will – aber durchaus und sogar gern Mathematiklehrer. Und das kam so…

Dass mir Mathe als zweites Fach anerkannt wurde, ist, da mache ich mir keine Illusionen, letzlich nicht meinen Mathe-Scheinen aus dem Studium (obwohl das gar nicht so wenige sind), sondern vor allem der Tatsache zu verdanken, dass Mathe ein Mangelfach ist.  Inhaltlich geht das mit der Anerkennung aber schon in Ordnung, finde ich: Schon die erste Mathe-Vorlesung meines Lebens (ich werde es nie vergessen: Herbst 1995, täglich 8-9 Uhr morgens, Analysis I) war so weit jenseits jeglicher Schulmathematik, dass ich definitiv nach einem (sehr guten) Vordiplom meine Mathe-Fähigkeit ausreichend unter Beweis gestellt hatte.  Da meine Mathe-Scheine nun aber alle aus dem letzten Jahrtausend stammen, musste ich in diesem Herbst ein „Kolloquium“ am Studienseminar machen, um zu zeigen, dass ich noch weiß, was Sache ist.  Natürlich hatte ich nicht die geringste Ahnung, was Sache ist! Insbesondere wusste ich nichts mehr von Mathematik auf Leistungskurs-Niveau, die da überprüft werden sollte – das war ja noch länger her! Also hab ich zwei Wochen intensiv Mathe gelernt, mit einem Schulbuch und dem Internet.  Das Tolle daran war, dass ich mit dem Auge des zukünftigen Lehrers drangegangen bin – aber fast ohne Wissen (wirklich, ich meine es ernst, ich wusste die elementarsten Dinge nicht mehr) und mich daher sehr nah an den Schülern gefühlt habe.  Ich musste überall nach Intuitionen, Veranschaulichungen und Anwendungsbeispielen suchen, habe mich immer wieder in ehrlicher Verwirrung gefragt, was ein bestimmtes Konzept nun eigentlich „soll“ und warum eine Musterrechnung so funktioniert, wie sie dasteht.  Dabei sind 20 Seiten Notizen entstanden*, mit Formeln und Beweisideen, aber eben auch mit diesen kleinen Protokollen der Verwirrung und den darauffolgenden Aha-Erlebnissen, mit Zusammenhängen, Motivation und (wie ich gestern gelernt habe) didaktischen Reduktionen.  Diese Notizen zu machen, gleichzeitig über den Inhalt und darüber nachzudenken, wie man ihn (sich) erarbeiten kann, das hat enormen Spaß gemacht – und da wusste ich, dass ich gerne Mathe unterrichten werde!

Und jetzt also die erste Fachdidaktik. –  Aber halt! Da haben wir gleich Hausaufgaben bekommen, die ich jetzt besser angehen sollte.  Belassen wir es also für heute bei diesem Ausflug in die Vergangenheit und verschieben die Gegenwart auf die Zukunft.

Schönen Abend!

* Die Notizen sind natürlich, wie bei jedem anständigen Informatiker, in LaTeX 🙂  Meine Fachleiterin hat gestern allerdings klar gesagt, dass LaTeX in Schulkreisen einfach nicht üblich sei und damit dem Materialaustausch im Weg steht.  Natürlich ist rein technisch genau das Gegenteil der Fall: TeX-Dateien sind nichts als ASCII-Dateien, man kann Formeln in Emails kopieren, ganze Festplatten in Sekunden nach Textteilen oder eben Formeln durchsuchen – alles Dinge, die mit Word (selbst im neuen XML-basierten .doc-Format) viel schwieriger, wenn nicht gar unmöglich sind.  Und außerdem sehen Word-Dokumente immer so doof aus. Und überhaupt…  Aber werde ich gegen Windmühlen kämpfen für LaTeX? Ganz sicher nicht. Vielleicht liest hier ja schon der eine oder andere Kollege mit (wie immer: natürlich auch Kolleginnen) und kann mir sagen, wie er/sie das macht.  Gibt’s vielleicht ein tex2doc tool oder sowas?  Oder benutzt ihr wirklich alle den Word-Formeleditor? Dann mache ich das halt auch…

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5 Gedanken zu „Mathematik

  1. Bin ja nur Deutsch- und Philosophielehrer, arbeite jedoch ebenfalls so gut wie ausschließlich mit LaTeX und kann berichten, dass sich Kollegen auch über hervorragend aussehende fertige PDF-Arbeitsblätter freuen.

    Zudem gibt es im Mathematikbereich zumindest bei uns auch den einen oder anderen, der mit Mathematica arbeitet, was von Word-Nutzern wohl als vergleichbar unzugänglich empfunden wird.

    Das Problem bei mangelnder Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften liegt im Regelfall nicht bei einem (vermeintlich) austauschunfreundlichen Format der Unterlagen …

    Zum Konvertieren: stöber doch mal in http://texcatalogue.sarovar.org/bytopic.html#convert – was da matheformeltechnisch am besten funktioniert, weiß ich nicht.

  2. Es gibt einige mehr oder weniger esoterische Wege, um LaTex in Openoffice oder Word umzuwandeln – google hat da einiges. Klar ist, dass der Aufwand immer bei dir liegen wird, egal ob du Material gibst oder nimmst.
    Ich möchte dich trotzdem nachdrücklich ermuntern bei LaTex zu bleiben, dann wären wir schon zu zweit 🙂

    Und weils so schön ist: Donald E. Knuth in einem Interview
    q: If you were young again, would you start writing TeX again or would
    you use Microsoft Word, or another word processor?
    a: I hope to die before I have to use Microsoft Word.

  3. Oh ja! Die Problematik hatte ich am Anfang auch. Aber nach ca. 6 Monaten als fertiger Lehrer habe ich dann doch aufgegeben. Im Referendariat war ich noch standhaft. Aber wenn erstmal das wilde Tauschen von Schulaufgaben und Arbeitsblättern losgeht und alle Word benutzen und man selbst nur Latex, fragt man sich, ob es Sinn macht auf so einem „Detail“ zu beharren. Ich benutze inzwischen alles parallel: Word, Pages, OpenOffice, Latex nur für große Sachen (die gibt es eigentlich nicht mehr), Impress, Powerpoint, Prezi, GoogleDocs. Um nur mal die wichtigsten zu nennen. Aber wegen den lieben Kollegen immer auch Word. Man will ja auch mal was zurück haben.

    • Ja, ich denke auf deinen Weg wird es wohl rauslaufen, Ingo. Im Zweifelsfall werden mir Zusammenarbeit und offen verfügbare Materialien wichtiger sein. Probieren wir’s also mal aus.
      Eine unserer Hausaufgaben ist es, zwei Mathe-Arbeitsblätter, die wir ausgeteilt bekommen haben, mit Tools unserer Wahl „nachzubauen“ (v.a. also Formeln und Schaubilder). Das wird bestimmt ein Spaß am Wochenende!

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