Kompaktphase

Nach zwei intensiven ersten Wochen (jeweils einschließlich Samstag) im Referendariat möchte ich wenigstens mal ein paar Stichworte hier im Blog festhalten. Zu mehr reicht es im Augenblick leider nicht.

Gesamteindruck bisher: Eine tolle Sache! Ich freue mich mehr denn je auf den Beruf.  Entscheidend ist, ich weiß schon, aufm Platz im Klassenzimmer und da bin ich ja bisher nicht.  Aber schon der bisherige Eindruck ist rundum positiv:

Die Fachleiter sind durch die Bank nicht nur sympathisch und kompetent, sondern vermitteln auch glaubhaft, dass sie (z.T. noch nach 25 Jahren) große Freude an ihrem Beruf haben.  Das reicht mir für den Augenblick als Bestätigung für meine Entscheidung völlig aus.

Die zukünftigen Kollegen ebenso.  Die meiste Zeit verbringe ich im Augenblick nicht in meinen beiden Fachdidaktiken, sondern in „allgemeinen Lehrveranstaltungen“ (s.u.), immer in der selben Gruppe von ca. 20 Leuten, die zum größten Teil aus Seiteneinsteigern wie mir besteht.  Eine sehr nette Gruppe, die schon erstaunlich gut zusammengewachsen ist, wie ich finde.  Das bleibt wohl einfach nicht aus, wenn man täglich acht Stunden über Bildungsziele und Erziehungsmethoden, Hoffnungen und Ängste, Lehrer- und Schülerpersönlichkeiten diskutiert.  Ohne Persönliches und Biographisches einzubringen, kann man solche Diskussionen kaum führen – und kommt sich näher.

Clever ist natürlich, dass von den Dozenten auch immer mal wieder thematisiert wird, dass genau die gleichen (gruppen-, autoritäts-, vertrauensbildenden) Prozesse auch in der Schule ablaufen werden.  Da eigentlich alle diese Dozenten absolut positive Lehrerollenmodelle für mich sind, lerne ich also (hoffe ich jedenfalls!) ständig sowohl inhaltlich etwas als auch am Beispiel der Prozesse in unserer eigenen Gruppe.

Ich empfinde es als richtiggehend befreiend, dass hier bei allen Dozenten immer das das Menschliche und Zwischenmenschliche, die Beziehung zu den Schülern im Fokus steht.  Insbesondere auch – und gerade – in meinen eher formal-technischen Fächern, wo man das vielleicht so nicht erwartet.  Das kenne ich so aus der wissenschaftlichen Welt und der universitären Lehre überhaupt nicht.  Nach diesen zwei Wochen denke ich: Es ist schlicht fahrlässig und unprofessionell wie wenig Wert an den Unis auf Pädagogik, Didaktik und Psychologie und letzten Endes auch auf Empathie gelegt wird.  Natürlich gibt es die begnadeten Vermittler auch an den Hochschulen und auf den Konferenzen – aber das ist dann Glück und wird vom System weder gefordert noch gefördert.  Ich freue mich also darauf, nun einen Beruf zu ergreifen, bei dem diese Dinge als essentiell betrachtet werden.

Weil die Zeit schon wieder davonrennt und ich mich noch um allerlei Kram (Krankenversicherung!) kümmern muss, versuche ich einfach mal zu jeder Veranstaltung ein knackiges Sätzchen zu finden:

Pädagogik: ist natürlich ein riesiges Feld, wird aber sehr pragmatisch und unterrichtsbezogen vermittelt.  Der Aufbau des ganzen Kurses ist (so scheint mir) grob am „Berliner Modell“ orientiert, d.h. von allgemeine Überlegungen zu den Schülern, die da vor uns sitzen werden, über Themen und Ziele des Unterrichts zu Methoden und Medien.

Pädagogische Psychologie: Hier habe ich als Kognitionswissenschaftler noch am ehesten Vorwissen.  Es ist aber sehr erfrischend, dieses mal wieder auf Menschen zu beziehen, nicht nur auf Maschinen zu übertragen.

Berufsethische Fragen: Schön, dass wir dazu einen ganzen Vormittag hatten. Themen waren (meine Formulierung): „Denk immer daran, dass dir Menschen gegenübersitzen!“ und „Sei dir immer bewusst, dass du nie ein vollkommen gerechter Lehrer sein wirst – aber strebe trotzdem danach!“

Schulrecht: Einziger Kurs, der nicht von einem Lehrer, sondern einem Juristen geleitet wird.  Und prompt: gefällt mir am wenigsten. Ich weiß, warum ich kein Jurist bin.  Professionelle Deformation ähnlich wie bei Medizinern, die überall nur noch Krankheiten sehen: Schüler und Eltern sind potentielle Prozessgegner, also „Feinde“ (war sicher schon irgendwie ironisch gemeint, aber nach dem fünften Mal fragt man sich dann doch…)

Blended Learning: Pädagogik und pädagogische Psychologie werden zu einem großen Teil als Blended Learning unterrichtet (jetzt noch nicht, aber sobald wir nur noch einmal pro Woche am Seminar sind).  Finde ich ganz okay, dann lerne ich Moodle schonmal aus Schülersicht ganz gut kennen.  Trotzdem nagt an mir der Verdacht, dass das natürlich auch eine Erklärung dafür sein könnte, wie es gelungen ist, das Referendariat von 24 auf 18 Monate zu verkürzen…

Also: Die Kompaktphase ist intensiv und spannend.  Es ist aber auch ganz gut, dass das nur noch nächste Woche so weiter geht.  Kochsendungen anzuschauen macht zwar Appetit, verstärkt aber irgendwann nur noch das Magenknurren! Also ab in die Küche!

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2 Gedanken zu „Kompaktphase

  1. Ist bei mir auch ähnlich. Werde es hoffentlich schaffen heute mittag auch *endlich* mal meinen Blog auf den neusten Stand zu bringen. Die letzten zwei wochen waren so gefüllt, dass ich meist gar nicht dazu kam irgendetwas aufzuschreiben. Bin aber, wie du, total positiv überrascht. Die Dozenten sind sehr sympathisch und menschlich! Schön finde ich auch, dass immer wieder auch auf persönlicher Ebene zurückgefragt wird. Ein einfaches „Und wie geht es Ihnen heute?“ und schon hat man viel mehr Lust. Möchte ich mir auch in die Schule mitnehmen.
    Meine Stammgruppe sind ca 15 leute und alle total sympathisch und keine „Über-pädagogen“, wie ich erst als Cliche befürchtet hatte 😀 Bin gespannt wie es dann nächste Woche in der Schule wird!

  2. Ich will euch nicht „outen“, aber falls ihr beide am gleichen Seminar seid, bin ich mir recht sicher dass ich da vor 2 Jahren auch angefangen habe. Eure bisherigen Angaben passen jedenfalls sehr gut.

    Bei Interesse am Erfahrungsaustausch einfach per Mail melden. Ansonsten freue ich mich auf eure nächsten Beiträge 🙂

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