„… allzeit fair und ehrlich sein!“

Wer kann den Titel dieses Eintrags ergänzen? (Tipp: Er muss sich reimen, aber das Versmaß ist etwas holprig.)

Herr Rau bloggt drüben seit Tagen über die Rechner und andere prägende Elemente seiner Jugend…  Vielleicht fiel mir deshalb, als ich heute morgen im Seminar saß, ein Teil meiner Jugend ein, der meine Vorstellung von Schule wahrscheinlich maßgeblich beeinflusst hat: Die Schreckenstein-Bücher von Oliver Hassencamp.  Gemeinschaft, vertrauensvolles Verhältnis zu Lehrern, Selbstverwaltung, Humor und verwegene Aktionen, aber immer bereit, die Verantwortung für alle Konsequenzen offen zu übernehmen… Ach ja…

Zuerst habe ich alle verfügbaren Bände in unser Dorfbibliothek* verschlungen, sie mir dann nach und nach selbst zugelegt, in unterschiedlichsten Ausgaben, dutzende Male gelesen.  Irgendwann bei einem WG-Umzug muss ich sie vergessen oder verloren haben – ich könnte heut noch heulen.

Wie bei vielen „Kult“-Büchern/Filmen/Hör- oder Computerspielen, erschließt sich womöglich nur dem früh Initiierten die wahre Qualität des Werkes 😉  Natürlich kann man als erwachsener Leser an Schreckenstein so manches kritisieren.  Selbst Oliver Hassencamp war das offensichtlich klar, sonst hätte er nicht Band 1 irgendwann mal ziemlich massiv umgearbeitet.  (Durch Zufall habe ich nach Jahren irgendwann die ursprüngliche Version entdeckt und dabei manches über das gelernt, was man heute retconning nennen würde.) Aber, was man als Kind geliebt hat, kann man als Erwachsener nicht nach solchen Kriterien beurteilen, oder?

Wer weiß denn überhaupt, wovon ich hier eigentlich spreche? Bitte mal in den Kommentaren die Hand heben.  Für alle anderen ist der Zug wohl sowieso abgefahren. Tja, Tante geküsst!

*Auf diese wunderbare Bibliothek muss ich mal irgendwann ein Loblied singen. Ich wäre ein anderer Mensch, wenn sie nicht genau im richtigen Augenblick (als ich gerade sechs wurde) eröffnet worden wäre.

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6 Gedanken zu „„… allzeit fair und ehrlich sein!“

  1. nachdem Hanni und Nanni ausgelesen war kam Schreckenstein dran.. anfangs nur das was da war – unsortiert und auch aus der Dorfbibliothek.. dann nochmal von vorn – inkl. einem kleinen Oktavheft… mit Vokabeln 🙂

    • Ich hab den Code auch gelernt – leider niemand sonst um mich herum, so dass ich ihn nie wirklich anwenden konnte. Immerhin musste ich so beim Wiederlesen von Band #23 (yes! Nummer noch ohne Nachschauen gewusst!) irgendwann nicht mehr im Anhang nachschauen.
      Hanni und Nanni hab ich auch gelesen, fast alle, obwohl ich die schon recht schnell unglaublich öde und repetitiv fand. „Dolly“ ist im Vergleich dazu richtig gut, mit Älterwerden und Heiraten und Beruf und so. (Wer mir die logische Erklärung dafür nennen kann, warum „Dolly“ ab Band 7 ganz anders und viel besser wird, bekommt von mir persönlich den Titel „Internatsbuchnerd erster Klasse“ verliehen!)

      • Dolly wird zumindest anders ab Band 7, weil von da an nicht mehr Enid Blyton, sondern Tina Caspari die Bände schrieb. Was einer der seltenen Fälle ist, wo ein Pesudonym unter Pseudonym schreibt. Denn Tina Caspari stand nie im Telefonbuch – auch nicht in den Achtzigern, als eigentlicht jeder noch im Telefonbuch stand… 😉

  2. Schreckenstein war klasse. Ich stellte es mir toll vor, in so einem Internat zu sein. An Handlungen kann ich mich aber nur noch dunkel erinnern, am ehesten an den Band (der allerdings von meinem Freund und Schreckenstein-Experten Bernhard gerügt wird), wo ein Gruselfilm auf der Burg produziert wird. Da habe ich gelernt, dass Filme nicht nach der zeitlichen Folge der Handlung gedreht werden, und welche Aufgabe ein Script Girl hat. (Heute heißt das wohl anders.)

    • Ja, gelernt hab ich durch Schreckenstein auch jede Menge, z.B. was ein Pleonasmus ist, dass „bonnie lassie“ schottisch für „hübsches Mädchen“ ist und natürlich, was es mit dem Gang nach Canossa und der Seeschlacht bei Salamis auf sich hat. Ah, those were the days…

  3. Salamis: jawohl, die kannte ich vielleicht vorher schon durch Was-ist-was-Bücher, war aber mindestens eine Auffrischung. Und mein Großvater war sehr beeindruckt, als ich ein mittägliches „Spät kommt ihr, doch ihr kommt“ durch ein „Der weite Weg, Graf Isolani, entschuldigt euer Säumen“ ergänzen konnte. Kommt alles von Schreckenstein, macht aber Eindruck. (Bildungsbürgertum mütterlicherseits, ich gesteh’s.)

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