…der Page lief!

Herr Krüger stellte sich wieder in seine Portiersloge und sprach jetzt wie von einem Rednerpult herunter:

„Also, meine Herren“, er faßte mit der linken Hand an seine Brille, „wenn ihr eure Augen und Ohren aufmacht, wißt ihr schon nach zwei Tagen, wie der Hase läuft. So lange halte ich die bisherigen Pagen noch zurück. Eigentlich sollten sie heute schon bei den Etagenkellnern anfangen — aber schön, zwei Tage bleiben sie noch hier, und in diesen zwei Tagen geht ihr den Burschen nicht von den Socken, laßt euch alles zeigen und macht alles mit. Ab Donnerstag schwimmt ihr dann allein.“

Da klingelte das Telefon in der Portiersloge.

„Portier. Guten Morgen, Frau Baronin — Sehr wohl, Frau Baronin — Sofort, Frau Baronin –!“

Chefportier Krüger legte wieder auf. Dabei schnalzte er auch schon: „Page! Zimmer 404.“

„Zimmer 404“, wiederholte der Junge mit den abstehenden Ohren und flitzte los.

„Na und?“ fragte Herr Krüger und sah zu den Neuen. Die wußten nicht sofort, was gemeint war.

Bei Peter fiel der Groschen zuerst.

„Zimmer 404“, wiederholte er ganz schnell und rannte los, wie die Feuerwehr hinter dem Jungen mit den abstehenden Ohren her.

aus Alfred Weidenmann: „Gepäckschein 666

Mein Junge mit den abstehenden Ohren ist mein Mentor, dem ich seit gestern hinterherflitze wie weiland der Page Peter Pfannroth. Zwischen Tür und Angel eine kleine Information über die folgende Stunde, in der Pause wird mir ein Stapel Bücher in die Hand gedrückt und ich werde ein paar Kollegen vorgestellt.  So funktioniert der Visualiser (bis vor Kurzem wusste ich nicht einmal, dass es solche Wunderwerke der Technik überhaupt gibt), so der grafische Taschenrechner (GTR), nicht zu verwechseln mit dem CAS-Rechner, den die folgende Klasse verwendet…

Irgendwann zwischendrin am ersten Tag (Montag) dann die Information, dass ich doch am Besten meine Fehler gleich am Anfang machen und am Donnerstag einfach mal eine Doppelstunde „Einführung in die Integralrechnung“ halten solle!

Uups??!

„Ab Donnerstag schwimmt ihr dann allein.“

Ja, und zwar im eiskalten Wasser, in das ich – wie Peter Pfannroth – offensichtlich geworfen werde. Am Mittwoch habe ich außerdem den ganzen Tag Seminar, so dass ich nach der Ankündigung genau noch eine Gelegenheit habe (nämlich am Dienstag), meine Unterrichtsidee und -entwurf (die ich erstmal haben muss!) mit meinem Mentor zu besprechen.

Uiuiuiuiui! Ein ganz klein wenig gemächlicher hatte ich mir den Einstieg doch gewünscht…

Inzwischen ist Dienstag und ich habe gestern abend ein Konzept für die Integralstunde ausgeknobelt, das mit eigentlich ganz gut gefällt. Meinem Mentor anscheinend auch. Überhaupt, wir verstehen uns gut, die Hospitationen heute waren lehrreich – und die Schüler scheinen durch die Bank nett und neugierig zu sein. Na, da wird die Welt doch gleich wieder rosa – zumindest bis ich am Donnerstag morgen in Zimmer 106 (nein, nicht 404) stehe.

So, jetzt aber zurück zu meiner Gruppenarbeit, den Grob-, Fein- und Teilzielen, dem Geogebra-Arbeitsblatt und meinem Weizenbier!

And so it begins…

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3 Gedanken zu „…der Page lief!

  1. Yeah. Klingt nach einem spannenden Start. Ich liebe diese Geschichten. Zeigen sie mir doch, dass ich die Hälfte hinter mir habe :-).
    Good luck am Donnerstag.

  2. Kaltes Wasser war bei uns damals auch. In der zweiten Woche (vielleicht auch erst der dritten, wenn ich ehrlich bin) je eine Stunde Deutsch und Englisch. Und eine ganze Woche hatte man Zeit, sich darauf vorzubereiten und verrückt zu machen. Schon ein paar Monate später ging das dann deutlich schneller.

  3. (Ich sollte lieber arbeiten, aber was soll’s…) Ich bin mittlerweile recht versöhnt mit der Stunde morgen. Ich denke, ob der Einstieg nach drei Tagen oder drei Wochen erfolgt, ist für die Qualität der Stunde recht egal – insofern kann’s auch gleich sein. Zumal wir für meine Begriffe recht stramme Vorgaben zu erfüllen haben in diesem ersten Halbjahr. Also keine Zeit verlieren.
    Schlimm war eigentlich nur, dass ich nicht damit *gerechnet* hatte. Ich hatte *erwartet*, wenigstens ein, zwei Tage lang kann ich nur die Schule und die Kollegen kennenlernen, mir Klassen für Hospitationen raussuchen, mal ein paar Stunden inspirierenden Unterricht sehen usw. Solche enttäuschten Erwartungen sind es, die verunsichern, nicht der schnelle Einstieg an sich. Muss ich mir merken, gilt für Klassenarbeiten und Prüfungen sicher auch.
    Aber, wie gesagt, ich bin inzwischen aufs Unterrichten eingestellt und wieder ganz guter Dinge.
    Jetzt aber weiter zu den Gruppenarbeitsaufträgen!

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