Informatik so unterrichten, wie ich es mir wünsche

(Ich blogge ja nicht mehr. Vive le blog!)

Direkt nach dem Ende des Referendariats hatte ich das große Glück, neben meinem „normalen“ Unterricht als AG-Leiter beim Freiburg-Seminar einsteigen zu können.  Dort können „begabte“ Jugendliche sich intensiv mit Themen aus Mathematik und Naturwissenschaften befassen, freiwillig und ohne Noten, dafür umso begeisterter.

Obwohl das Seminar offiziell nur Mathematik und Naturwissenschaften im Namen trägt, gibt es dort auch Informatik-Kurse.  (Was wären die MINT-Fächer denn ohne Vokal?) Und gerade die Informatik-AGs sind besonders begehrt; wir könnten, gerade für neugierige Anfänger, locker noch ein oder zwei Kurse mehr anbieten, wenn wir dürften.  Dieser Run auf die Informatik ist auch überhaupt kein Wunder — es ist ja nicht so, dass junge Leute nicht neugierig wären auf diese Wissenschaft, diese Technologie, die unser Welt in den letzten Jahrzehnten komplett verwandelt haben.  Nein, die Schüler spüren und wissen, dass Informatik wichtig und spannend ist — nur die baden-württembergische Bildungspolitik gibt ihnen kaum eine reguläre schulische Möglichkeit dazu, sich damit auseinanderzusetzen.

(Es besteht im Augenblick die leise Hoffnung, dass sich daran demnächst doch noch etwas ändert. Aber color me skeptical.)

Jedenfalls ist es für mich eine große Freude, diese jungen Leute, die durch irgendwelche glücklichen Zufälle den Weg zur Informatik gefunden haben, zu unterrichten. In meinem ersten Jahr (2013/14) war das Kursthema noch vom Vorgänger vorgegeben, also haben wir uns mit objektorientierter Programmierung beschäftigt, aber zum Glück ohne die Zwänge eines Lehrplans.  „Programmieren kreativ“ nannte ich den Kurs und es entstanden tolle Spiele und andere Anwendungen dabei.  Am Schluss sprachen wir ein wenig über KI, mein altes Forschungsgebiet, und es wurde beschlossen, das im darauffolgenden Jahr mal genauer anzuschauen…

Was dabei 2014/15 herauskam, könnt ihr in meinem Abschlussbericht nachlesen (vollständiger Text als PDF bei Klick aufs Bild):

Teaser

Ich glaube, dass ich in den letzten beiden Jahren riesengroßes Glück mit meinen Teilnehmern hatte (s. z.B. der letzte Absatz des Berichts).  Da der Kurs in dieser Form wegen des Abgangs der Abiturienten sowieso nicht mehr weiterbestehen wird, habe ich darum gebeten, dieses Jahr eine AG für die Unter- und Mittelstufe anbieten zu dürfen, „Informatik für Programmieranfänger“.

Warum dieser scheinbare Schritt zurück im Anspruchsniveau?

Ich gebe es offen zu: Ich will nicht nur die nerdigen Jungs, die über’s Minecraft-Modden oder die PHP- und JavaScript-Programmierung ihrer eigenen Webseite zur Informatik gekommen sind.  Ich will auch die anderen hellen Köpfe, die sonst immer in der Mathe-AG landen.  Ich will die Musischen, die den Computer als Medium für Kreativität entdeckt haben.  Ich will denen, die einfach Spaß am Knobeln und Problemlösen haben, den Computer als Medium fürs Denken schmackhaft machen.  Insbesondere und ganz explizit will ich versuchen,  Mädchen für das Fach zu begeistern.  Dafür gibt es tausend Gründe, die ich jetzt nicht aufzählen kann und will (ich hab ja keine Zeit mehr fürs Bloggen).

Jedenfalls kann ich mich nicht zurücklehnen und darauf hoffen, dass diese Gruppen sich in der Oberstufe plötzlich in meinen Kurs verirren — die muss man vorher abgreifen und auf den Geschmack bringen!

Deshalb ein Anfängerkurs. Mit Snap! und später vielleicht Python.  (Von mir aus könnte es auch das ganze Jahr Snap! bleiben. Dem Niveau sind in Snap! ja keine Grenzen gesetzt. Mal sehen, wie die Stimmung so ist.)  Bisher läuft es großartig — genau wie in meinen anderen, „etwas weniger begabten“ Klassen, bei denen ich am Anfang des Schuljahres auch immer mit Snap! starte:  Hohe Motivation, viel Spaß, verschachtelte Schleifen innerhalb der ersten 30 Minuten, das erste Spiel innerhalb einer Doppelstunde.  Frust kommt immer erst auf, wenn wir zu Java wechseln müssen.

Bin gespannt, was ich alles machen kann mit meinen schlauen 12-14-Jährigen… Ich freue mich total darauf!

Warum ich nicht mehr blogge

[Edit: Ich habe diesen Artikel gerade in den Aufruf zu einer Blogparade umgewidmet.  Thema: „Wie organisieren Lehrer, v.a. mit Familie, ihre Zeit?“  Die Fragen, die ich mir ständig stelle, gebe ich nun an euch weiter.  Ihr findet sie ganz am Ende dieses Beitrags. Auf Reaktionen freue ich mich!]

Wer sagt, er habe für etwas keine Zeit mehr, meint natürlich immer „Ich setze meine Prioritäten jetzt anders“.  So ist es natürlich auch bei mir — auch wenn es mir leid tut, dass ich mich in den letzten zwei Jahren so komplett aus meinem kleinen, aber umso feineren Internetbekanntenkreis zurückgezogen habe.

Tatsache ist, dass — überraschenderweise! — das dritte Kind genauso viel Zeit und Zuwendung braucht wie das erste und das zweite.  Und obwohl alle drei immer größer und selbständiger werden, heißt das nicht, dass sie mich weniger brauchen.  Eher sogar noch mehr, denn inzwischen arbeitet auch meine Frau wieder.  Erster Grund fürs Nichtbloggen also: Familie sticht alles!

Zweiter Grund: Obwohl ich mich inzwischen durchaus schon als erfahrener Lehrer fühle, bin ich doch noch weit entfernt von Routine und „ich ziehe meinen Unterricht fertig aus der Schublade“ — zum Glück! Außerdem suche ich mir leider so furchtbar gerne immer noch neue Herausforderungen und habe deshalb inzwischen einige schulische Neben- und Zusatzengagements.  (Über die ich eigentlich furchtbar gerne auch mal bloggen würde…)

Beide Gründe zusammen bedeuten: Der Lehrerberuf macht mir sehr große Freude, aber er nimmt fast die gesamte Zeit ein, die ich neben der Familie habe.  Um das zu verdeutlichen, versuche ich mal, den gestrigen Tag möglichst genau zu dokumentieren.

6:30 Uhr: A. und ich stehen auf.  Noch etwas früher wäre zur Stressvermeidung wahrscheinlich besser, aber 6:30 Uhr ist verdammt früh, wenn man es mal wieder nicht vor Mitternacht ins Bett geschafft hat. Außerdem habe ich am Abend vorher die Kinder ins Bett gebracht (A. hatte Elternabend an ihrer Schule) und natürlich vergessen, schon ihre Kleider für den nächsten Tag herauszulegen.  Das wird uns jetzt wertvolle Minuten kosten.

6:45 Uhr: Der Mittlere ist Frühaufsteher, was am Wochenende oft unerwünscht, heute aber sehr praktisch ist: Ich mache ihm einen Kakao, A. bringt seine Kleider und er zieht sich selbständig an.  Super — das läuft nicht immer so reibungslos.  Die Große wird sanft geweckt, kriegt aber kaum die Augen auf und erst recht nicht die Füße aus dem Bett. Dass das mit neun schon so schwierig würde, hätte ich nicht gedacht.  Allerdings liest sie jetzt abends auch manchmal heimlich; vielleicht liegt’s daran.  (Ich schimpfe dann pro forma ein wenig, freue mich aber insgeheim.)  Die Kleine ist jetzt auch wach, tapst fröhlich ins Bad — zum Glück sind wir alle keine Morgenmuffel — und möchte den Grüffelo vorgelesen bekommen.  Als A. und ich versuchen, ihr klarzumachen, dass das heute nicht geht, weil wir alle fünf ganz früh aus dem Haus müssen, ist die gute Laune mit einem Schlag dahin.

7:00 Uhr: Irgendwie haben es doch alle an den Esstisch geschafft, manche mehr (der Mittlere, A.), manche weniger angezogen (die Kleine, die Große, ich).  A. hat sogar geduscht.  Gegessen wird wenig, aber ein Pausenbrot für die Große geschmiert, die Logistik für den Tag nochmal durchgesprochen (Wer holt mittags wann wen wo ab? Wer kocht? Wer hat am Nachmittag was vor und wie kommt er dorthin und wieder zurück?)  Und es wird viel gelacht und gesungen.  Das ist schön, morgens um sieben, und eigentlich möchte keiner gehen.

7:15 Uhr: A.s Schule liegt in unserer Stadt, meine etwas 20km entfernt.  Der Kindergarten (inkl. Kleinkindgruppe) öffnet um 7:30 Uhr.  Wenn A. die beiden Kleinen Punkt 7:30 Uhr dort abliefert, schafft sie es mit dem Rad gerade noch zur 1. Stunde um 7:50 Uhr.  Bei mir ist das nicht drin.  Resultat: Ich fahre mit dem Auto nach W. — und genieße jede Minute: Mein Lieblingsradiosender Deutschlandradio Kultur, absolute Entspannung 20 Minuten lang.  Es stimmt, eigentlich will ich aus Umwelt- und anderen Gründen mehr mit der Bahn fahren.  Aber dann müsste ich um 6:30 Uhr das Haus verlassen und würde die Kinder gar nicht mehr sehen am Morgen.

7:50 Uhr: Der Unterricht beginnt. Heute habe ich nur vier Stunden. Ich habe mein Deputat auf 20 Stunden reduziert, als A. wieder angefangen hat zu arbeiten.  Großartig, dass das so einfach geht im öffentlichen Dienst.  Dass ich die vier Stunden am Stück habe, ist ungewöhnlich und auch nur alle zwei Wochen so.  (Unser Stundenplaner liebt A- und B-Wochen.  Nächste Woche habe ich erst zu 3. Stunde Unterricht, dann 5./6. Stunde frei und 7./8. wieder Unterricht.  Meine Familie hasst A- und B-Wochen.) Ich habe mein Notebook dabei und setze mich nach der 4. Stunde sofort an meinen Schreibtisch im Lehrerzimmer und arbeite irgendwas. (Keine Ahnung mehr was, wahrscheinlich irgendein Problem mit dem elektronischen Klassenbuch, für das ich zuständig bin.  Der Schuljahresanfang liegt schon einen Monat zurück, aber immer noch ändern sich laufend irgendwelche Daten.)

12:30 Uhr: Die Tischnachbarin meint: „Mensch, du kannst aber echt gut arbeiten bei dem Lärm hier.“  Ich will eine flapsige Bemerkung machen („Hier habe ich eben mehr Ruhe als daheim“), lasse es aber und schaue auf die Uhr.  Mist, ich muss doch kochen und dann die Kleinen aus dem Kinderhaus holen.  Das wird knapp.

12:35 Uhr: Ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich auf dem Heimweg SWR2 höre: Klassik, relativ wenige Wortbeiträge, gut um den Adrenalinspiegel nach einem Schulvormittag langsam wieder runterzufahren.  Manchmal stelle ich inzwischen das Radio auch ganz ab. Krass. Aber 20 Minuten ganz allein in völliger Stille, nur mit mir und meinen Gedanken (oder, noch besser, ohne): priceless!

12:55 Uhr: Ich komme zuhause an.  Was ich kochen werde, ist klar. Spaghetti mit Tomatensauce.  Doch, doch, ich kann auch anderes.  Aber ich habe ca. 10 Minuten Zeit, bevor ich zum Kindergarten muss.  Reicht genau, um die Sauce zu machen und sie, während ich weg bin, ein bisschen einkochen zu lassen.  Außerdem gab’s Pfannkuchen, Fischstäbchen und „was mit Gemüse“ diese Woche schon.  Wir schreiben seit einiger Zeit am Wochenende eine Liste aller Gerichte, die wir in den nächsten 7-10 Tagen kochen wollen und kaufen entsprechend ein.  Spart Zeit und Geld beim Einkaufen (weil man seltener geht), ist familiendemokratisch und v.a. stehe ich nur ca. 10 Sekunden vor der Liste und weiß dann sofort, was heute zeitlich und mit den vorhanden Vorräten machbar ist.

12:57 Uhr: Beim Aussteigen treffe ich P. und N., nette Nachbarn und gute Freunde. P. bietet an, unsere beiden Kleinen aus dem Kindergarten mitzubringen, wenn er seine Tochter abholt.  Und plötzlich ist das Leben noch schöner und total entspannt!  Ich habe nun alle Zeit der Welt: 25 Minuten dauert das mindestens bis die da sind, und auch die Große kommt selten vor 13:20 Uhr aus der Schule.  Da kann ich ja, wenn ich mich beeile, wenn die Soße fertig ist und die Spaghetti im Topf sind, vielleicht sogar noch ein bisschen in meinem RSS-Feed lesen… au fein!

13:20 Uhr: Wir sind zu viert. Das Essen ist fertig, aber den Tisch können ruhig die beiden Großen decken (wg. RSS-Feed usw.)!  Machen sie sogar recht anstandslos.  Die Stimmung ist gut.  A.s Wunsch und Regel, dass am Tisch nicht gesungen werden soll, lässt sich in ihrer Abwesenheit vom Vater nicht durchsetzen.  (Schön passiv, so ein Satz im Passiv, nicht?)

13:45 Uhr:  Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass die Große um 14 Uhr Flötenstunde hat.  Weil wir keine Helikopter-Eltern sind, hat sie erst gestern abend das erste Mal ein bisschen geübt. Wir setzen uns ans Klavier, sie flötet, ich begleite. Schön klingt das und macht uns beiden Spaß.  Wäre eigentlich toll, wenn sie mehr spielen würde, oder? Ja schon…

13:58 Uhr: Mit dem Roller schafft sie das gerade noch rechtzeitig zur Flötenstunde.

14:05 Uhr: A. kommt. Meine Körperspannung sinkt sofort merklich: Die Frau ist im Haus! Ich trage nur noch maximal die halbe Verantwortung. Noch bevor sie richtig da ist, räumen wir schon die Küche auf.  (In einer Trauansprache hörten wir einmal einen Text, der vom „Liebesspülen“ handelte. Das hat sich uns beiden tief eingeprägt.)

14:45 Uhr: Ich lese den beiden Kleinen vor. A. räumt weiter auf.  (Es gibt immer noch mehr aufzuräumen. Naturgesetz.)  Beim Lesen schläft die Kleine auf meinem Schoß ein. Ha — das bedeutet, sie hatte heute morgen in der Kita doch noch nicht geschlafen. Ich trage sie vorsichtig in ihr Zimmer…

15:10 Uhr: Die Kleine liegt im Bett. Wenn wir Glück haben… und tatsächlich: Kurz darauf sieht der Mittlere durchs Fenster einen Freund und will raus.  Vorlesen kann ich ihm ja später wieder.  Plötzlich sind A. und ich allein — nicht zu glauben!  Wir machen uns einen Kaffee, erzählen uns kurz von unseren Vormittagen und hasten dann an unsere Schreibtische.

16:00 Uhr: Der Mittlere ist wieder da.  Mist, ich habe die letzte Dreiviertelstunde nicht so effektiv genutzt wie A.   Ich bin immer noch so häufig mit Grundsätzlichem beschäftigt, statt konkret vorzubereiten. Heute bin ich mal wieder bei Mark Guzdial gelandet, der vorschlägt, als Informatiklehrer sollten wir mit den Schülern am Anfang zuerst viel mehr Code lesen als schreiben.  Und dabei fällt mir unsere Prüfung im vergangenen Juni ein: Mit einem Kollegen hatte ich eine Prüfungsaufgabe gestellt, in deren erstem Teil die Schüler nur die Bedeutung bestimmter Zeilen in einem bereits fertigen Programm erklären sollten — und das zu einem großen Teil nicht ansatzweise konnten.  Nun war das eine eher schwache Schülergruppe und wir waren zwar enttäuscht, aber auch nicht besonders überrascht.  Erst heute, nach Mark Guzdials Artikel, sehe ich endlich den Elefanten im Raum: Wie sollen sie schreiben, ohne lesen zu können?   Wieso zeige und bespreche ich beim Programmieren so selten eine Musterlösung? Und wenn, warum immer erst hinterher? Ich bin doch sonst so ein großer Freund des Lernens aus „worked examples“. Warum also hänge ich beim Programmieren so am entdeckenlassenden Lernen?   Glaube ich wirklich, dass die Schüler in einer Doppelstunde pro Wochen selbst herausfinden können, wie ein korrektes Programm aussieht (oder ein gutes oder gar ein ästhetisch befriedigendes)?

Antwort: Weil ich das Programmieren so gelernt habe.  Weil ich es geliebt habe und immer noch liebe, am Computer Dinge auszuprobieren, mich von Fehler zu Fehler zu hangeln, mit jedem Refactoring ein einfacheres, abstrakteres, universelleres, schöneres Gebilde zu erzeugen.  Aber es ist natürlich kompletter Quatsch, meine persönliche Faszination auf diese Jungs zu projizieren..  Außerdem hab ich doch auch selbst viel aus den Programmen von anderen gelernt.  Na, jedenfalls gut, dass ich noch gar nicht richtig angefangen hatte, die Stunde für morgen zu planen; die wird jetzt sowieso umgeschmissen: Morgen wird nicht programmiert, sondern die bekommen ein fertiges Greenfoot-Spiel und wir lesen das einfach!  Und gleich nächste Idee: Objektorientierte Programme könnte man doch sogar super mit verteilten Rollen lesen, oder?  Ja, das könnte ich doch so…

16:20 Uhr: Oh. A. hat mich anscheinend schon mehrfach angesprochen.  Der Mittlere sitze jetzt schon seit 20 Minuten bei ihr und sie könne nicht arbeiten.  Außerdem sei es jetzt sowieso Zeit, die Kleine zu wecken.  Stimmt, ich gehe heute mit ihr ins Kinderturnen von 17-18 Uhr.  Also wecken, ihre Kleider zusammensuchen und ihr anziehen (zum Glück ist sie trotz des Weckens schon wieder gut gelaunt aufgewacht — also heute läuft’s wirklich!)

16:30 Uhr: Wir müssen zwar erst in einer halben Stunde dort sein, aber die Vorlaufzeit brauchen wir: Turnschläppchen suchen, Proviant einpacken, Kind zum ersten Mal in diesem Herbst in den dicken Ganzkörperwollanzug einpacken usw.  Was total praktisch ist: Der Mittlere hat zeitgleich ganz in der Nähe Fußball (G-Jugend!). Zwei Fahrten mit einer Klappe also. Die Kleine und ich bringen ihn also erst dort vorbei und düsen dann weiter zum Turnen.

17:00 Uhr: Schön, dass es mir gelingt, mich heute ganz auf das Eltern-Kind-Turnen einzulassen, ohne zwischendrin an die to-do-Liste zu denken.  Klappt nicht immer.

18:00 Uhr: „Eins, zwei, drei, das Turnen ist vorbei. Vier, fünf, sechs, sieben, auf Wiedersehn ihr Lieben.“  Die Kleine isst zwei Kekse, während ich ihr in den warmen Anzug helfe.  Schnell weiter zum Fußballplatz; die Trainer sind auch alle Familienväter und wollen heim.  (Ein hundertfaches Hoch auf alle, die sich noch in Sportvereinen, Kirchengemeinden oder sonstwo engagieren!)  Der Mittlere ist erhitzt, aber glücklich.  Wir kaufen noch Brot — ist seit vorgestern abend aus, aber bisher hatte es noch keiner zum Bäcker geschafft.

18:30 Uhr: Abendessen.  A. hatte — natürlich — während wir weg waren, auch Brot gekauft. Umso besser, wird eingefroren.  Alle sind zufrieden, es war ein schöner Tag.

19:00 Uhr: „Bettfertig machen“, das ist so etwas, für das ich früher weder einen Begriff noch eine Konzeptualisierung hatte. (Sapir und Whorf wären begeistert.) Irgendwann am Abend ging man halt ins Bett (Zähne putzen nicht vergessen).

Heute aber weiß ich, was „bettfertig machen“ ist, nämlich: Durch Bitten, Drohen oder Bestechung bringt man die Kinder dazu sich zuerst aus- und (idealerweise zeitnah) die Schlafanzüge anzuziehen. Dann Zähneputzen – mittlerweile läuft das glücklicherweise ganz gut (der Mittlere hat jahrelang massiven passiven Widerstand geleistet). Dann Vorlesen und/oder Gutenachtgeschichten.  (Als die beiden Großen noch klein waren, hab ich mir jeden Abend eine neue Geschichte für sie ausgedacht! Geht nicht mehr, leider. Ich bin auserzählt.)  Zum Schluss ab in die Betten und Schlaflieder singen.  Für drei Kinder reichen zwei Erwachsene da gerade so.  Und unter einer Stunde ist das ganze Programm kaum zu schaffen.  Natürlich: Wenn es unbedingt schneller gehen muss, geht es auch schneller.  Aber zufrieden sind dann alle nicht.

20:15 Uhr: Die Tagesschau natürlich wieder verpasst. Ist aber besser so, denn vor dem Fernseher würde der Körper sofort runterfahren.  Was nicht passieren darf, denn der ganze nächste Schultag muss ja noch vorbereitet werden.  Leider ist das meinem Körper egal. Sobald ich nur noch für mich selbst verantwortlich bin, schaltet er auf Standby, auch ohne Tagesschau. Egal, los geht’s: Morgen Mathe Oberstufe. Das unterrichte ich zum ersten Mal.  Funktionenscharen und abschnittsweise definierte Funktionen mit dem CAS-Rechner, den ich selbst noch gar nicht richtig bedienen kann.  Naja, ist ja noch früh am Abend…

23:00 Uhr: Ich bin eigentlich soweit fertig, aber zu müde um ins Bett zu gehen.  Außerdem hab ich doch heute mittag (s. 12:57 Uhr) in einem meiner Feeds wieder so was Interessantes gelesen.  Jetzt nach getaner Arbeit, werde ich ja wohl mal…

00:30 Uhr: Mistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmist

Nachbemerkung: Gestern war ein guter und schöner Tag, an dem die Work-Life-Balance gestimmt hat!  Das möchte ich ausdrücklich betonen.  Es war eben nur mal wieder ein Tag, an dem absolut keine Zeit für irgendwas anderes war, z.B. Bloggen. Oder andere als organisatorische Gespräche mit A. Oder gar mit Freunden. Oder Sport. Oder Kino.

Es war auch ein Tag — das werden die Lehrerhasser sicher sofort errechnet haben — an dem ich gar nicht so viel gearbeitet habe, sondern ziemlich viel Zeit mit meinen Kindern verbracht habe.  Vormittags recht und nachmittags frei eben.  Sagen wir: von 7:45 Uhr – 12:30 Uhr, von 15:20 Uhr – 16:20 Uhr (das muss zählen!) und von 20:15 Uhr – 23:00 Uhr. Macht 8,5 Stunden.  Ach, eigentlich doch gar nicht so wenig, für eine 80-Prozent-Stelle.  (Aber die Ferien, diese ganzen Ferien! –Ja, stimmt! Ich wollte ja auch gar nicht streiten.) Ich hätte selbst gedacht, dass es weniger war.  V. a. im Vergleich zu den Tagen, an denen A. mir den Rücken freihält, damit ich Zeit habe, gründlich zu planen oder eine Klassenarbeit zu korrigieren oder Klassenlehrersachen zu organisieren oder einfach nur Nachmittagsunterricht habe (ca. 2-3mal pro Woche, je nach… grrr… A- oder B-Woche).  Deswegen sage ich ja, gestern war wirklich ein schöner Tag mit guter Work-Life-Balance.

Was ich eigentlich mit diesem Artikel sagen wollte:  Doch, ich möchte gerne wieder ab und zu bloggen.  Regelmäßig wird’s wohl nicht werden.  Aber ab und zu… ich probier’s!

Noch eine Nachbemerkung: Wir haben das Glück, inzwischen eine Zwei-Lehrer-Familie zu sein. Wie Eltern mit anderen Berufen diese ganze Kinderlogistik auf die Reihe bekommen, ist mir ein Rätsel.

Frage an euch mitlesende LehrerInnen (mit und ohne Familie): Wie macht ihr das? Wie kriegt ihr das hin mit der ersten Stunde und/oder dem Nachmittagsunterricht? Wann kommt ihr abends vom Schreibtisch weg? Gibt es (was ich hoffe!) einen geheimen Trick, mit dem das alles plötzlich ganz easy wird?

Antworten — hier in den Kommentaren oder in einem eigenen Artikel bei euch im Blog — würden mich wirklich interessieren.  Passt auf: Ich erkläre das einfach mal zur Blogparade!  (Keine Ahnung, ob das überhaupt jemand bemerkt.) Schreibt doch auch mal eine typische Tages-Timeline auf, wo’s dabei knirscht und wer dabei leidet… oder wieso das für euch gar kein Thema ist.  Tatsächlich ist ja ein gewisses Luxusproblem, dass Nichtlehrer so gar nicht kennen.