Warum ich nicht mehr blogge

[Edit: Ich habe diesen Artikel gerade in den Aufruf zu einer Blogparade umgewidmet.  Thema: „Wie organisieren Lehrer, v.a. mit Familie, ihre Zeit?“  Die Fragen, die ich mir ständig stelle, gebe ich nun an euch weiter.  Ihr findet sie ganz am Ende dieses Beitrags. Auf Reaktionen freue ich mich!]

Wer sagt, er habe für etwas keine Zeit mehr, meint natürlich immer „Ich setze meine Prioritäten jetzt anders“.  So ist es natürlich auch bei mir — auch wenn es mir leid tut, dass ich mich in den letzten zwei Jahren so komplett aus meinem kleinen, aber umso feineren Internetbekanntenkreis zurückgezogen habe.

Tatsache ist, dass — überraschenderweise! — das dritte Kind genauso viel Zeit und Zuwendung braucht wie das erste und das zweite.  Und obwohl alle drei immer größer und selbständiger werden, heißt das nicht, dass sie mich weniger brauchen.  Eher sogar noch mehr, denn inzwischen arbeitet auch meine Frau wieder.  Erster Grund fürs Nichtbloggen also: Familie sticht alles!

Zweiter Grund: Obwohl ich mich inzwischen durchaus schon als erfahrener Lehrer fühle, bin ich doch noch weit entfernt von Routine und „ich ziehe meinen Unterricht fertig aus der Schublade“ — zum Glück! Außerdem suche ich mir leider so furchtbar gerne immer noch neue Herausforderungen und habe deshalb inzwischen einige schulische Neben- und Zusatzengagements.  (Über die ich eigentlich furchtbar gerne auch mal bloggen würde…)

Beide Gründe zusammen bedeuten: Der Lehrerberuf macht mir sehr große Freude, aber er nimmt fast die gesamte Zeit ein, die ich neben der Familie habe.  Um das zu verdeutlichen, versuche ich mal, den gestrigen Tag möglichst genau zu dokumentieren.

6:30 Uhr: A. und ich stehen auf.  Noch etwas früher wäre zur Stressvermeidung wahrscheinlich besser, aber 6:30 Uhr ist verdammt früh, wenn man es mal wieder nicht vor Mitternacht ins Bett geschafft hat. Außerdem habe ich am Abend vorher die Kinder ins Bett gebracht (A. hatte Elternabend an ihrer Schule) und natürlich vergessen, schon ihre Kleider für den nächsten Tag herauszulegen.  Das wird uns jetzt wertvolle Minuten kosten.

6:45 Uhr: Der Mittlere ist Frühaufsteher, was am Wochenende oft unerwünscht, heute aber sehr praktisch ist: Ich mache ihm einen Kakao, A. bringt seine Kleider und er zieht sich selbständig an.  Super — das läuft nicht immer so reibungslos.  Die Große wird sanft geweckt, kriegt aber kaum die Augen auf und erst recht nicht die Füße aus dem Bett. Dass das mit neun schon so schwierig würde, hätte ich nicht gedacht.  Allerdings liest sie jetzt abends auch manchmal heimlich; vielleicht liegt’s daran.  (Ich schimpfe dann pro forma ein wenig, freue mich aber insgeheim.)  Die Kleine ist jetzt auch wach, tapst fröhlich ins Bad — zum Glück sind wir alle keine Morgenmuffel — und möchte den Grüffelo vorgelesen bekommen.  Als A. und ich versuchen, ihr klarzumachen, dass das heute nicht geht, weil wir alle fünf ganz früh aus dem Haus müssen, ist die gute Laune mit einem Schlag dahin.

7:00 Uhr: Irgendwie haben es doch alle an den Esstisch geschafft, manche mehr (der Mittlere, A.), manche weniger angezogen (die Kleine, die Große, ich).  A. hat sogar geduscht.  Gegessen wird wenig, aber ein Pausenbrot für die Große geschmiert, die Logistik für den Tag nochmal durchgesprochen (Wer holt mittags wann wen wo ab? Wer kocht? Wer hat am Nachmittag was vor und wie kommt er dorthin und wieder zurück?)  Und es wird viel gelacht und gesungen.  Das ist schön, morgens um sieben, und eigentlich möchte keiner gehen.

7:15 Uhr: A.s Schule liegt in unserer Stadt, meine etwas 20km entfernt.  Der Kindergarten (inkl. Kleinkindgruppe) öffnet um 7:30 Uhr.  Wenn A. die beiden Kleinen Punkt 7:30 Uhr dort abliefert, schafft sie es mit dem Rad gerade noch zur 1. Stunde um 7:50 Uhr.  Bei mir ist das nicht drin.  Resultat: Ich fahre mit dem Auto nach W. — und genieße jede Minute: Mein Lieblingsradiosender Deutschlandradio Kultur, absolute Entspannung 20 Minuten lang.  Es stimmt, eigentlich will ich aus Umwelt- und anderen Gründen mehr mit der Bahn fahren.  Aber dann müsste ich um 6:30 Uhr das Haus verlassen und würde die Kinder gar nicht mehr sehen am Morgen.

7:50 Uhr: Der Unterricht beginnt. Heute habe ich nur vier Stunden. Ich habe mein Deputat auf 20 Stunden reduziert, als A. wieder angefangen hat zu arbeiten.  Großartig, dass das so einfach geht im öffentlichen Dienst.  Dass ich die vier Stunden am Stück habe, ist ungewöhnlich und auch nur alle zwei Wochen so.  (Unser Stundenplaner liebt A- und B-Wochen.  Nächste Woche habe ich erst zu 3. Stunde Unterricht, dann 5./6. Stunde frei und 7./8. wieder Unterricht.  Meine Familie hasst A- und B-Wochen.) Ich habe mein Notebook dabei und setze mich nach der 4. Stunde sofort an meinen Schreibtisch im Lehrerzimmer und arbeite irgendwas. (Keine Ahnung mehr was, wahrscheinlich irgendein Problem mit dem elektronischen Klassenbuch, für das ich zuständig bin.  Der Schuljahresanfang liegt schon einen Monat zurück, aber immer noch ändern sich laufend irgendwelche Daten.)

12:30 Uhr: Die Tischnachbarin meint: „Mensch, du kannst aber echt gut arbeiten bei dem Lärm hier.“  Ich will eine flapsige Bemerkung machen („Hier habe ich eben mehr Ruhe als daheim“), lasse es aber und schaue auf die Uhr.  Mist, ich muss doch kochen und dann die Kleinen aus dem Kinderhaus holen.  Das wird knapp.

12:35 Uhr: Ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich auf dem Heimweg SWR2 höre: Klassik, relativ wenige Wortbeiträge, gut um den Adrenalinspiegel nach einem Schulvormittag langsam wieder runterzufahren.  Manchmal stelle ich inzwischen das Radio auch ganz ab. Krass. Aber 20 Minuten ganz allein in völliger Stille, nur mit mir und meinen Gedanken (oder, noch besser, ohne): priceless!

12:55 Uhr: Ich komme zuhause an.  Was ich kochen werde, ist klar. Spaghetti mit Tomatensauce.  Doch, doch, ich kann auch anderes.  Aber ich habe ca. 10 Minuten Zeit, bevor ich zum Kindergarten muss.  Reicht genau, um die Sauce zu machen und sie, während ich weg bin, ein bisschen einkochen zu lassen.  Außerdem gab’s Pfannkuchen, Fischstäbchen und „was mit Gemüse“ diese Woche schon.  Wir schreiben seit einiger Zeit am Wochenende eine Liste aller Gerichte, die wir in den nächsten 7-10 Tagen kochen wollen und kaufen entsprechend ein.  Spart Zeit und Geld beim Einkaufen (weil man seltener geht), ist familiendemokratisch und v.a. stehe ich nur ca. 10 Sekunden vor der Liste und weiß dann sofort, was heute zeitlich und mit den vorhanden Vorräten machbar ist.

12:57 Uhr: Beim Aussteigen treffe ich P. und N., nette Nachbarn und gute Freunde. P. bietet an, unsere beiden Kleinen aus dem Kindergarten mitzubringen, wenn er seine Tochter abholt.  Und plötzlich ist das Leben noch schöner und total entspannt!  Ich habe nun alle Zeit der Welt: 25 Minuten dauert das mindestens bis die da sind, und auch die Große kommt selten vor 13:20 Uhr aus der Schule.  Da kann ich ja, wenn ich mich beeile, wenn die Soße fertig ist und die Spaghetti im Topf sind, vielleicht sogar noch ein bisschen in meinem RSS-Feed lesen… au fein!

13:20 Uhr: Wir sind zu viert. Das Essen ist fertig, aber den Tisch können ruhig die beiden Großen decken (wg. RSS-Feed usw.)!  Machen sie sogar recht anstandslos.  Die Stimmung ist gut.  A.s Wunsch und Regel, dass am Tisch nicht gesungen werden soll, lässt sich in ihrer Abwesenheit vom Vater nicht durchsetzen.  (Schön passiv, so ein Satz im Passiv, nicht?)

13:45 Uhr:  Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass die Große um 14 Uhr Flötenstunde hat.  Weil wir keine Helikopter-Eltern sind, hat sie erst gestern abend das erste Mal ein bisschen geübt. Wir setzen uns ans Klavier, sie flötet, ich begleite. Schön klingt das und macht uns beiden Spaß.  Wäre eigentlich toll, wenn sie mehr spielen würde, oder? Ja schon…

13:58 Uhr: Mit dem Roller schafft sie das gerade noch rechtzeitig zur Flötenstunde.

14:05 Uhr: A. kommt. Meine Körperspannung sinkt sofort merklich: Die Frau ist im Haus! Ich trage nur noch maximal die halbe Verantwortung. Noch bevor sie richtig da ist, räumen wir schon die Küche auf.  (In einer Trauansprache hörten wir einmal einen Text, der vom „Liebesspülen“ handelte. Das hat sich uns beiden tief eingeprägt.)

14:45 Uhr: Ich lese den beiden Kleinen vor. A. räumt weiter auf.  (Es gibt immer noch mehr aufzuräumen. Naturgesetz.)  Beim Lesen schläft die Kleine auf meinem Schoß ein. Ha — das bedeutet, sie hatte heute morgen in der Kita doch noch nicht geschlafen. Ich trage sie vorsichtig in ihr Zimmer…

15:10 Uhr: Die Kleine liegt im Bett. Wenn wir Glück haben… und tatsächlich: Kurz darauf sieht der Mittlere durchs Fenster einen Freund und will raus.  Vorlesen kann ich ihm ja später wieder.  Plötzlich sind A. und ich allein — nicht zu glauben!  Wir machen uns einen Kaffee, erzählen uns kurz von unseren Vormittagen und hasten dann an unsere Schreibtische.

16:00 Uhr: Der Mittlere ist wieder da.  Mist, ich habe die letzte Dreiviertelstunde nicht so effektiv genutzt wie A.   Ich bin immer noch so häufig mit Grundsätzlichem beschäftigt, statt konkret vorzubereiten. Heute bin ich mal wieder bei Mark Guzdial gelandet, der vorschlägt, als Informatiklehrer sollten wir mit den Schülern am Anfang zuerst viel mehr Code lesen als schreiben.  Und dabei fällt mir unsere Prüfung im vergangenen Juni ein: Mit einem Kollegen hatte ich eine Prüfungsaufgabe gestellt, in deren erstem Teil die Schüler nur die Bedeutung bestimmter Zeilen in einem bereits fertigen Programm erklären sollten — und das zu einem großen Teil nicht ansatzweise konnten.  Nun war das eine eher schwache Schülergruppe und wir waren zwar enttäuscht, aber auch nicht besonders überrascht.  Erst heute, nach Mark Guzdials Artikel, sehe ich endlich den Elefanten im Raum: Wie sollen sie schreiben, ohne lesen zu können?   Wieso zeige und bespreche ich beim Programmieren so selten eine Musterlösung? Und wenn, warum immer erst hinterher? Ich bin doch sonst so ein großer Freund des Lernens aus „worked examples“. Warum also hänge ich beim Programmieren so am entdeckenlassenden Lernen?   Glaube ich wirklich, dass die Schüler in einer Doppelstunde pro Wochen selbst herausfinden können, wie ein korrektes Programm aussieht (oder ein gutes oder gar ein ästhetisch befriedigendes)?

Antwort: Weil ich das Programmieren so gelernt habe.  Weil ich es geliebt habe und immer noch liebe, am Computer Dinge auszuprobieren, mich von Fehler zu Fehler zu hangeln, mit jedem Refactoring ein einfacheres, abstrakteres, universelleres, schöneres Gebilde zu erzeugen.  Aber es ist natürlich kompletter Quatsch, meine persönliche Faszination auf diese Jungs zu projizieren..  Außerdem hab ich doch auch selbst viel aus den Programmen von anderen gelernt.  Na, jedenfalls gut, dass ich noch gar nicht richtig angefangen hatte, die Stunde für morgen zu planen; die wird jetzt sowieso umgeschmissen: Morgen wird nicht programmiert, sondern die bekommen ein fertiges Greenfoot-Spiel und wir lesen das einfach!  Und gleich nächste Idee: Objektorientierte Programme könnte man doch sogar super mit verteilten Rollen lesen, oder?  Ja, das könnte ich doch so…

16:20 Uhr: Oh. A. hat mich anscheinend schon mehrfach angesprochen.  Der Mittlere sitze jetzt schon seit 20 Minuten bei ihr und sie könne nicht arbeiten.  Außerdem sei es jetzt sowieso Zeit, die Kleine zu wecken.  Stimmt, ich gehe heute mit ihr ins Kinderturnen von 17-18 Uhr.  Also wecken, ihre Kleider zusammensuchen und ihr anziehen (zum Glück ist sie trotz des Weckens schon wieder gut gelaunt aufgewacht — also heute läuft’s wirklich!)

16:30 Uhr: Wir müssen zwar erst in einer halben Stunde dort sein, aber die Vorlaufzeit brauchen wir: Turnschläppchen suchen, Proviant einpacken, Kind zum ersten Mal in diesem Herbst in den dicken Ganzkörperwollanzug einpacken usw.  Was total praktisch ist: Der Mittlere hat zeitgleich ganz in der Nähe Fußball (G-Jugend!). Zwei Fahrten mit einer Klappe also. Die Kleine und ich bringen ihn also erst dort vorbei und düsen dann weiter zum Turnen.

17:00 Uhr: Schön, dass es mir gelingt, mich heute ganz auf das Eltern-Kind-Turnen einzulassen, ohne zwischendrin an die to-do-Liste zu denken.  Klappt nicht immer.

18:00 Uhr: „Eins, zwei, drei, das Turnen ist vorbei. Vier, fünf, sechs, sieben, auf Wiedersehn ihr Lieben.“  Die Kleine isst zwei Kekse, während ich ihr in den warmen Anzug helfe.  Schnell weiter zum Fußballplatz; die Trainer sind auch alle Familienväter und wollen heim.  (Ein hundertfaches Hoch auf alle, die sich noch in Sportvereinen, Kirchengemeinden oder sonstwo engagieren!)  Der Mittlere ist erhitzt, aber glücklich.  Wir kaufen noch Brot — ist seit vorgestern abend aus, aber bisher hatte es noch keiner zum Bäcker geschafft.

18:30 Uhr: Abendessen.  A. hatte — natürlich — während wir weg waren, auch Brot gekauft. Umso besser, wird eingefroren.  Alle sind zufrieden, es war ein schöner Tag.

19:00 Uhr: „Bettfertig machen“, das ist so etwas, für das ich früher weder einen Begriff noch eine Konzeptualisierung hatte. (Sapir und Whorf wären begeistert.) Irgendwann am Abend ging man halt ins Bett (Zähne putzen nicht vergessen).

Heute aber weiß ich, was „bettfertig machen“ ist, nämlich: Durch Bitten, Drohen oder Bestechung bringt man die Kinder dazu sich zuerst aus- und (idealerweise zeitnah) die Schlafanzüge anzuziehen. Dann Zähneputzen – mittlerweile läuft das glücklicherweise ganz gut (der Mittlere hat jahrelang massiven passiven Widerstand geleistet). Dann Vorlesen und/oder Gutenachtgeschichten.  (Als die beiden Großen noch klein waren, hab ich mir jeden Abend eine neue Geschichte für sie ausgedacht! Geht nicht mehr, leider. Ich bin auserzählt.)  Zum Schluss ab in die Betten und Schlaflieder singen.  Für drei Kinder reichen zwei Erwachsene da gerade so.  Und unter einer Stunde ist das ganze Programm kaum zu schaffen.  Natürlich: Wenn es unbedingt schneller gehen muss, geht es auch schneller.  Aber zufrieden sind dann alle nicht.

20:15 Uhr: Die Tagesschau natürlich wieder verpasst. Ist aber besser so, denn vor dem Fernseher würde der Körper sofort runterfahren.  Was nicht passieren darf, denn der ganze nächste Schultag muss ja noch vorbereitet werden.  Leider ist das meinem Körper egal. Sobald ich nur noch für mich selbst verantwortlich bin, schaltet er auf Standby, auch ohne Tagesschau. Egal, los geht’s: Morgen Mathe Oberstufe. Das unterrichte ich zum ersten Mal.  Funktionenscharen und abschnittsweise definierte Funktionen mit dem CAS-Rechner, den ich selbst noch gar nicht richtig bedienen kann.  Naja, ist ja noch früh am Abend…

23:00 Uhr: Ich bin eigentlich soweit fertig, aber zu müde um ins Bett zu gehen.  Außerdem hab ich doch heute mittag (s. 12:57 Uhr) in einem meiner Feeds wieder so was Interessantes gelesen.  Jetzt nach getaner Arbeit, werde ich ja wohl mal…

00:30 Uhr: Mistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmistmist

Nachbemerkung: Gestern war ein guter und schöner Tag, an dem die Work-Life-Balance gestimmt hat!  Das möchte ich ausdrücklich betonen.  Es war eben nur mal wieder ein Tag, an dem absolut keine Zeit für irgendwas anderes war, z.B. Bloggen. Oder andere als organisatorische Gespräche mit A. Oder gar mit Freunden. Oder Sport. Oder Kino.

Es war auch ein Tag — das werden die Lehrerhasser sicher sofort errechnet haben — an dem ich gar nicht so viel gearbeitet habe, sondern ziemlich viel Zeit mit meinen Kindern verbracht habe.  Vormittags recht und nachmittags frei eben.  Sagen wir: von 7:45 Uhr – 12:30 Uhr, von 15:20 Uhr – 16:20 Uhr (das muss zählen!) und von 20:15 Uhr – 23:00 Uhr. Macht 8,5 Stunden.  Ach, eigentlich doch gar nicht so wenig, für eine 80-Prozent-Stelle.  (Aber die Ferien, diese ganzen Ferien! –Ja, stimmt! Ich wollte ja auch gar nicht streiten.) Ich hätte selbst gedacht, dass es weniger war.  V. a. im Vergleich zu den Tagen, an denen A. mir den Rücken freihält, damit ich Zeit habe, gründlich zu planen oder eine Klassenarbeit zu korrigieren oder Klassenlehrersachen zu organisieren oder einfach nur Nachmittagsunterricht habe (ca. 2-3mal pro Woche, je nach… grrr… A- oder B-Woche).  Deswegen sage ich ja, gestern war wirklich ein schöner Tag mit guter Work-Life-Balance.

Was ich eigentlich mit diesem Artikel sagen wollte:  Doch, ich möchte gerne wieder ab und zu bloggen.  Regelmäßig wird’s wohl nicht werden.  Aber ab und zu… ich probier’s!

Noch eine Nachbemerkung: Wir haben das Glück, inzwischen eine Zwei-Lehrer-Familie zu sein. Wie Eltern mit anderen Berufen diese ganze Kinderlogistik auf die Reihe bekommen, ist mir ein Rätsel.

Frage an euch mitlesende LehrerInnen (mit und ohne Familie): Wie macht ihr das? Wie kriegt ihr das hin mit der ersten Stunde und/oder dem Nachmittagsunterricht? Wann kommt ihr abends vom Schreibtisch weg? Gibt es (was ich hoffe!) einen geheimen Trick, mit dem das alles plötzlich ganz easy wird?

Antworten — hier in den Kommentaren oder in einem eigenen Artikel bei euch im Blog — würden mich wirklich interessieren.  Passt auf: Ich erkläre das einfach mal zur Blogparade!  (Keine Ahnung, ob das überhaupt jemand bemerkt.) Schreibt doch auch mal eine typische Tages-Timeline auf, wo’s dabei knirscht und wer dabei leidet… oder wieso das für euch gar kein Thema ist.  Tatsächlich ist ja ein gewisses Luxusproblem, dass Nichtlehrer so gar nicht kennen.

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13 Gedanken zu „Warum ich nicht mehr blogge

  1. Pingback: Informatik unterrichten, wie ich es mir wünsche | Zurück in die Schule

  2. >Doch, ich möchte gerne wieder ab und zu bloggen. Regelmäßig wird’s wohl nicht werden. Aber ab und zu… ich probier’s!

    Wär schön, ich les jedenfalls weiter.

    >Blogparade

    Wnen ich Zeit hätte, würde ich mitmachen, oder zumindest verbreiten… habe ja keine Kinder.

    • Verbreiten würde mich schon freuen! Aber mitmachen auch. Du hast dich doch, meine ich mich zu erinnern, mal als sehr effizient beschreiben. Wie das aussieht, bei deinem ja doch auch sicher gut gefüllten Terminkalender, würde mich schon interessieren.

  3. Also, … ich merke auch immer wieder, auch ohne Kinder, dass die Zeit, sich auch einmal ohne Ziel (z.B. Unterrichtsvorbereitung) einen interessanten Blog-Artikel wie diesen durchzulesen meistens fehlt. Dann noch selbst einen zu erstellen, der meinen Ansprüchen an öffentlichen Stellungnahmen usw. entspricht, das ist gerade auch kaum drinn. Ich vermute auch, dass es mit längerer Berufserfahrung nicht mehr Zeit gibt, da auch viele andere spannende Türen sich öffnen. Also denke ich, etwas „Entschleunigung“ ist da genau richtig. Gerade um eben nicht im „Virtuellen“ zu verschwinden wenn gerade keine Schulzeit ist, sondern Zeit für einen Kaffee ohne Technik und dafür mehr mit Menschen zu haben ohne Schule als Thema, das halte ich für eine ganz tolle Sache.
    Und den Artikel habe ich sehr gerne gelesen und auch mit Wiedererkennung, also falls nochmal was kommt finde ich hoffendlich wieder Zeit 🙂

  4. Pingback: Warum ich nicht mehr blogge | Lehrerzimmer

  5. So eine Timeline ist eine herrliche Sache, aber auch zeitaufwendig zu produzieren. (Haben wir – ganz selten mal – für einen Weihnachtsrundbrief geschafft.) Danke!!!
    Zwei Jobs, drei Kinder. Geht nur mit viel Energie, die man später nicht mehr hat. Zeit zu haben, ohne sie irgendwo her zu stehlen, geht in dieser Zeit – meiner Erfahrung nach – nie. (Hoffentlich sagt A. nicht, du stiehlst die Zeit bei ihr.)
    Jetzt bin ich pensioniert, habe nur bedingt Zeitprobleme, eher welche mit der Energie. – Drei kleine Kinder ist sehr stressig, aber erfüllte Zeit.
    Bin gespannt, ob jemand die Organisation vorführt, wie man doch zu „sich“ kommt!
    Ich kann nur die Kölner Heinzelmännchen empfehlen. Mit denen klappt’s bestimmt. (Heutzutage heißen sie freilich Großeltern und freuen sich, wenn (!) sie noch die Energie haben, wieder etwas von dem Eu-Stress zu erleben.)

    • Danke für den netten Kommentar. Ja, zwei Jobs, drei kleine Kinder – diese Jahre sind wohl einfach die „rush hour“ meines und unseres Familienlebens. Irgendwie muss man da kräftemäßig einfach durch – und sich immer wieder klar machen, dass es trotz Stress doch eine wunderschöne und, wie du sagst, erfüllte Zeit ist.
      Viel Erfüllung wünsche ich auch dir für den Ruhestand! Meiner Erfahrung nach haben ehemalige Lehrer damit aber selten Probleme. (Das war übrigens auch ein Grund, warum ich schon lange in die Schule wechseln wollte: Lehrer sind, in meiner Vorstellung zumindest, neugierig und bildungsbegeistert, offen und empathisch – und deshalb immer voller Ideen, was man als nächstes machen könnte. Ist es wirklich so? Wäre auch mal ein Blog-Thema…)

  6. Pingback: Gerade auf dem Schreibtisch - ...ein Halbtagsblog...

  7. Pingback: 12 von 12 | kuschelpaedagogik

  8. Aber nur weil Du die Frage gestellt hast:
    Drei Kinder mit 26h Deputat Gymnasium habe ich so gelöst, dass ich erst die Nächte durchgearbeitet habe bis ich übermüdet einen Auffahrunfall hatte. Dann habe ich so weiter gemacht und mein Immunsystem spielte verrückt und dann machte ich so weiter und bekam Krebs. Empfehlen kann ich den Weg nicht. Es kam auch Niemand vorbei und überreichte mir einen Tapferkeitsorden oder sowas. Ich vermute, man muss konsequent die Arbeitszeit so weit runterfahren, dass es tragbar ist und sich dann überlegen, wie man mit dem reduzierten Gehalt auskommen kann.
    LG
    Coreli

    • Puh, das klingt aber gar nicht gut. Ich hoffe, dir geht es inzwischen besser, v.a. gesundheitlich, aber auch beruflich. Tatsächlich habe ich Angst vor genau so etwas. Weil das eben auch nicht nur dich oder mich betrifft, ist „Lehrergesundheit“ ja auch so ein großes Thema überall. Mich fasziniert aber auch, dass manche Kollegen und Kolleginnen den Druck offensichtlich viel besser im Griff haben als andere. Wie die das wohl machen? Effizienz und Nachhaltigkeit im Vorbereiten, plus Mut zur Lücke und zum Unvollkommenen – damit könnte es, glaube ich, klappen. (Hey, doch noch einen Vorsatz für 2016 gefunden!)

  9. Hallo,

    ich habe ein 20-Stunden-Deputat und einen Mann im 24-Stunden-Schichtsystem, der nebenberuflich studiert. Und wir haben drei Kinder, und 8 Jahre alt. Ich habe mir heute mal die Zeit genommen, aufzuschreiben, wie es bei uns (nicht) funktioniert, wenn ich einen langen Tag habe und mein Mann arbeitet: http://diepappelheimer.blogspot.de/2016/01/12von12-januar-2016.html
    Es gibt Tage, da funktioniert es besser, aber heute ist nicht so einer…

    Liebe Grüße,
    Frau Pappelheim

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