Das Wunschblog

In meiner Kindheit in den 1980er Jahren gab es im ZDF den Wunschfilm, bei dem die Fernsehzuschauer per TED darüber abstimmen durften, welcher von drei Spielfilmen am Samstagabend gezeigt werden sollte.  Großes basisdemokratisch-partizipatives Fernsehen.  Video-On-Demand 1.0.   Ich habe es geliebt! (Obwohl niemand in meiner Familie auf die Idee gekommen, da womöglich selbst mal anzurufen.)

Die Musik — „dadadam dadadam!“ — zweitverwertet übrigens seitdem die jährliche SWR1-Hitparade, auch so ein Relikt meiner Jugend.

So etwas möchte ich hier auch mal versuchen.  Dadadam dadadam!

Der Leserkreis dieses Blogs ist ja leider recht überschaubar.  Da wäre es doch schade, wenn diejenigen wenigen, die den Weg hierher finden, auf Artikel stießen, die sie gar nicht interessieren. Erst recht, weil ich zwar eine lange Liste von Themen habe, über die ich gerne bloggen würde, aber so selten dazu komme.  Wäre doch schade, wenn ich dann eins aussuche, das keinen interessiert.  Also mache ich es lieber wie das ZDF damals und frage einfach nach. Meine Damen und Herren, liebe Kinder, ich präsentiere Ihnen:

Den Das  ZIDS-Wunschblog! 

Und so läuft’s (dadadam dadadam):  Unten stelle ich euch drei Themen vor. Abstimmen darf jeder, egal ob alter oder neuer Leser, und kostenlos ist’s auch.  Sagt einfach per Kommentar hier im Blog oder per Antwort auf den folgenden Tweet, welches Thema euch am meisten interessiert.  (Kompliziertere Vorting-Systeme à la edchat.de überlege ich mir erst, wenn mehr als 20 Leute mitmachen — und das will ich erst sehen, bevor ich es glaube…)

Für dieses erste (hoffentlich nicht letzte) Wunschblog habe ich drei informatikbezogene Themen ausgewählt, wegen der Stammleserschaft.   Und hier kommen sie.  Dadadam dadadam:


Thema 1: Informatik für alle

Soll Informatik als verpflichtendes Fach in unseren Schule unterrichtet werden? Diese Frage wird (in meiner Ecke des Internet) viel diskutiert und zwar durchaus kontrovers.  Manche wollen in erster Linie mehr Medienpädagogik, andere kämpfen für genuin informatische Inhalte, wieder andere wollen nur das „Coding“ in den Vordergrund stellen.  Der eine sorgt sich um die fehlenden IT-Spezialisten in der deutschen Wirtschaft, der andere um Rechte und Mündigkeit der Bürger in der digitalen Gesellschaft.  Und es gibt nicht wenige Menschen, die finden, dass die Welt auch ohne Informatikunterricht schon digital genug ist.
Ich habe dazu selbstverständlich eine Meinung und eine Position, fast schon eine Mission, die ich schon lange mal verschriftlichen wollte. Jetzt wäre, dadadam dadadam,die Gelegenheit dazu.


Thema 2: Musik machen mit JythonMusic

Vor längerer Zeit habe ich eine Blog-Serie zu, nennen wir es mal, algorithmischer Musiktheorie gestartet – und sie nach dem zweiten Artikel nie wieder fortgesetzt.  Das lag nicht nur an fehlender Zeit, sondern auch daran, dass der Weg Python → LilyPond → Midi-Datei → Töne viel zu umständlich für echtes „Musizieren“ war, so dass mir (trotz vieler Ideen) ein wenig der Spaß vergangen ist.  Inzwischen gibt es aber JythonMusic, ein tolles Projekt, bei dem man (sogar ohne viel zu installieren) sofort loslegen und Musik machen kann.
In den Herbstferien lag ich ein paar Tage im Krankenhaus, war aber fit genug, um endlich mal wieder (ablenkungsfrei) zu programmieren. Ich bzw. mein Computer bzw. wir beide zusammen haben dabei einige interessante Sachen „komponiert“.  Wenn ihr also zu der illustren Gruppe von Leuten gehört, die sich sowohl für ein bisschen Musiktheorie als auch Programmierung interessiert, lasse ich euch, dadadam dadadam, gerne daran teilhaben.


Thema 3: Funktionaler Programmierspaß in Java 8

Java ist als Einstiegsprogrammiersprache in der Schule eine Katastrophe! (IMNSHO). Unter anderem weil ich dachte, dass sähen alle so, habe ich vor drei Jahren an dieser Stelle vermutet, dass „wir“ in fünf Jahren nicht mehr Java unterrichten werden.  Nun ja, die sind ja noch nicht rum…

Jedenfalls habe ich mich kürzlich etwas peinlich berührt an diese Aussage erinnert: Ich habe nämlich eine Fortbildung zu Java 8 geleitet.  Das war für mein Ziel, Java aus der Schule zu verbannen, wohl eher kontraproduktiv — diente aber auch einem anderen Zweck.  Ich wollte den Kollegen eher zeigen, dass Objektorientierung nicht alles ist, dass Java jetzt endlich auch funktionale Elemente hat und dass das Programmieren in Java damit sogar richtig Spaß machen kann.

Ich kann natürlich hier keine zweitägige Fortbildung reproduzieren, würde euch aber meine Materialien, ein paar verblüffende Beispielprogramme und eine Aktualisierung der Diskussion über Java in der Schule anbieten. Wer also schon länger wissen wollte, was es mit diesen Lambda-Ausdrücken, funktionalen Interfaces und Streams auf sich hat, und auch, ob das für die Schule relevant sein könnte, der möge, dadadam dadadam, für dieses Thema stimmen.


So, und nun hoffe ich auf rege Beteiligung.  Ich lasse die Abstimmung eine Woche laufen, ach, sagen wir doch gleich: bis Weihnachten 2015! Danach gebe ich das Ergebnis hier bekannt und setze mich in den Weihnachtsferien hin und schreibe.

Dadadam dadadam!

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Vom Singen

Singen gehört für mich zur Vorweihnachtszeit wie für andere Leute Plätzchen.

Obwohl: Plätzchen sind für mich natürlich auch sehr wichtig im Advent.  Und gesungen wird bei uns in der Familie sowieso zu jeder Jahres- und Tageszeit.

In der Adventszeit aber vielleicht noch ein bisschen mehr.

Deswegen habe ich auch sofort zugesagt, als mich eine Freundin vor ein paar Wochen fragte, ob ich ihren Schulchor im Dezember bei der Aufführung von Bachs Magnificat unterstützen würde.  (Die Männerstimmen sind in Chören fast überall chronisch unterbesetzt, was dazu führt, dass man insbesondere als Tenor umworben und hofiert wird, dass es eine wahre Freude ist. Zu den Proben muss man auch nur kommen, „wenn man es einrichten kann“.  Egal, wenn man das Magnificat vor 15 Jahren zuletzt gesungen hast. Für einen echten Tenor kein Problem.)

Als es jetzt soweit war, hat mich meine enthusiastische Zusage (natürlich) genervt: Eigentlich hatte ich doch viel zu viel anderes zu tun; die Kinderbetreuung blieb, während ich bei Proben und Aufführungen war, wieder an meiner Frau hängen, ich war viel zu müde und schlapp um vier Abende Singen hintereinander durchzuhalten usw.

Aber dann stehst du da und singst. Hörst auf die Sänger neben dir, das Orchester vor dir, musizierst mit ihnen. Bist glücklich.

(Und löst das Problem mit der Kinderbetreuung, indem du zum zweiten Konzert die Familie einfach mitbringst.  Piece of cake — für einen echten Tenor…)

 

 

Gebrauchslyrik

Heute mal was anderes.

Herr Rau schreibt drüben immer so hübsch abwechslungsreich über dieses und jenes. Hier hingegen sieht es aus, als ob sich mein Leben nur um Informatikunterricht drehte. Mitnichten.  Deswegen heute mal was Privates.  („Immer schön persönlich. Sowas wollen die Leute lesen!“ raunt mir der Chefredakteur ins Ohr.)

Das folgende Gedicht ist während eines Elternsprechabends entstanden, als mich keiner sprechen wollte.  (Doch, am beruflichen Gymnasium gibt’s das.)  Das war sehr praktisch, weil meine Frau am nächsten Tag Geburtstag hatte und ich ihr zum Geschenk noch etwas schreiben wollte…

Jedenfalls: Weil das Ergebnis dieses Abends mir selbst recht gut gefällt, drucke ich es einfach mal ab.  Soll keiner sagen, nur die Deutschlehrer dürften was mit Lyrik machen.

Ich habe dass Gedicht leicht abgeändert, um die Anonymität meiner Frau zu wahren.  Was ich (des Reimes wegen) nicht ändern konnte, war die mehrmalige Verwendung eines sehr bescheuerten Kosenamens, der sich aus seiner ursprünglichen ironischen Verwendung leider total gelöst und verselbständigt hat…

 

Anne Geburtstag 2015