Vom Singen

Singen gehört für mich zur Vorweihnachtszeit wie für andere Leute Plätzchen.

Obwohl: Plätzchen sind für mich natürlich auch sehr wichtig im Advent.  Und gesungen wird bei uns in der Familie sowieso zu jeder Jahres- und Tageszeit.

In der Adventszeit aber vielleicht noch ein bisschen mehr.

Deswegen habe ich auch sofort zugesagt, als mich eine Freundin vor ein paar Wochen fragte, ob ich ihren Schulchor im Dezember bei der Aufführung von Bachs Magnificat unterstützen würde.  (Die Männerstimmen sind in Chören fast überall chronisch unterbesetzt, was dazu führt, dass man insbesondere als Tenor umworben und hofiert wird, dass es eine wahre Freude ist. Zu den Proben muss man auch nur kommen, „wenn man es einrichten kann“.  Egal, wenn man das Magnificat vor 15 Jahren zuletzt gesungen hast. Für einen echten Tenor kein Problem.)

Als es jetzt soweit war, hat mich meine enthusiastische Zusage (natürlich) genervt: Eigentlich hatte ich doch viel zu viel anderes zu tun; die Kinderbetreuung blieb, während ich bei Proben und Aufführungen war, wieder an meiner Frau hängen, ich war viel zu müde und schlapp um vier Abende Singen hintereinander durchzuhalten usw.

Aber dann stehst du da und singst. Hörst auf die Sänger neben dir, das Orchester vor dir, musizierst mit ihnen. Bist glücklich.

(Und löst das Problem mit der Kinderbetreuung, indem du zum zweiten Konzert die Familie einfach mitbringst.  Piece of cake — für einen echten Tenor…)

 

 

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Downton Abbey – Gosford Park

Das ZDF zeigt ab morgen die erste Staffel von Downton Abbey.  Ich würde ja vermuten, dass die meisten Zuschauer, die britisches period drama schätzen, die Serie längst kennen.  Falls aber nicht: anschauen!

Oder vielleicht doch lieber gleich auf DVD/BluRay im Original?  Wunderschönes, gut verständliches Englisch bei der upper class – haariger wird’s, zumindest für Laien wie mich, bei der Dienerschaft mit ihren verschiedenen Dialekten und generell weniger gepflegter Sprache (zur Not einfach die englischen Untertitel anschalten).

Die erste Staffel ist ein Genuss. Die zweite leider nicht mehr ganz. Das Christmas Special ist genau so, wie ein Christmas Special zu sein hat.

Was ich aber vor allem sagen wollte: Das Meisterstück von Autor Julian Fellowes ist meiner Meinung nach aber nicht Downton Abbey, sondern sein Drehbuch zu Gosford Park von Robert Altman.  Wer den nicht kennt – unbedingt anschauen!

Hier haben ein großer Regisseur, ein geniales Drehbuch und (wie meistens bei Altman) zwei Dutzend großartige Schauspieler zusammengefunden – in einem der wenigen Filme, die ich bei moviepilot mit der Höchstnote 10.0 bewertet habe.*

Ah, Gosford Park… liegt zum Glück in der vergleichsweise kleinen Lieblingsfilmschnittmenge von Frau Embee und mir und landet deshalb regelmäßig wieder im DVD-Player.

Und allen, die in den Weihnachtsferien noch mehr Zeit und Lust zum Fernsehen haben, kann ich nur die restaurierte Fassung der (zumindest in meinem Teil der Welt) berühmtesten aller BBC-Miniserien empfehlen.

Habt ihr auch Filmtipps für mich?**

* Altmans Short Cuts hat bei mir auch 10.0, aber das mag sentimentale Gründe haben – mich hat der Film mit 17 begeistert; ich habe ihn aber seitdem nicht mehr gesehen.

** Nicht, dass ich immer nur Kostümdramen anschauen würde. Beileibe nicht. Hier ein paar meiner liebsten, ganz anderen Filme: L.A. Confidential, Annie Hall (Der Stadtneurotiker), Eternal Sunshine of the Spotless Mind, Juno, … ach, ich höre besser auf…

Ixsis Rätsel

Ixsi hat eben auf Twitter folgendes Rätsel gestellt:

Dummerweise habe ich gerade zwei Klassenarbeiten zu korrigieren und morgen meinen ersten Lehrprobenstoffverteilungsplan einzureichen.  Deshalb muss ich die Herausforderung heute leider dankend…

…annehmen natürlich!

Also auf ans Werk: Bestimmt ist das nur einer diesen Buchstabenverschiebecodes.  In Python* geht das hübsch schnell, in wenigen Zeilen:

msg = "XFS EBT MFTFO LBOO, JTU TDIMBV!"

def shift(zahl, d):
    z = zahl - ord('A')  # ASCII auf 0..26 abbilden
    if not (0 <= z <= 26):
        return zahl   # Ignorieren, wenn's kein Grossbuchstabe ist
    z = (z + d) % 26  # zyklisch verschieben
    return z + ord('A')  # wieder in ASCII-Bereich verschieben

for d in range(26):
    nmsg = [chr(shift(ord(k), d)) for k in msg]  # ASCII --> Zahl --> shift --> ASCII
    print "".join(nmsg)

Und was kommt raus?

WER DAS LESEN KANN, IST SCHLAU!

Na, wenn ixsi das sagt, werd‘ ich doch nicht widersprechen 😉

*Ah, Python! Tut gut nach all dem Java in der Schule!

Will ich ein IPad?

Neulich war ich bei Freundin J. zu Besuch – ob ihr es glaubt oder nicht, die einzige Besitzerin eines IPads in meinem Bekanntenkreis (und das auch erst seit kurzem).  J. ist Musiklehrerin und hat mir als erstes kurz GarageBand vorgeführt.

Dazu eine Geschichte: Vor ca. 5 Jahren bin ich eigentlich nur wegen GarageBand (Desktop-Version) von Linux zu OS X umgestiegen; wir konnten damals als Uni-Mitarbeiter günstig ein MacbookPro erwerben („Anfixen“ ist dafür wohl das Fachwort). Ich wusste schon, dass es da eine Software names GarageBand gab, die für genau mich entwickelt wurde – Hobby-Musiker, die keine Zeit für die großen Kanonen à la Logic, Cubase usw. haben, aber mal ab und zu und v.a. schnell ein bisschen aufnehmen wollen.  Also hab ich mein frisch bestelltes ThinkPad einem Kollegen abgetreten und bin seitdem ein hin- und hergerissener Mac-User. Ja, solche gibt’s auch!

Und jetzt hatte ich also zum ersten Mal das IPad in der Hand – wichtiger noch: zum ersten Mal GarageBand fürs IPad, zu dem ich mir (warum eigentlich?) schon so viele Netz-Videos angeschaut hatte.  Da J. und ich beide nebenher diverse Kinder zu beaufsichtigen hatte, wollte ich nur mal ein bisschen ausprobieren… „schauen, was da so geht“.  Und es ging einiges!

Ich hatte vielleicht zwanzig Minuten mit dem Programm, habe mit einer Smart Guitar angefangen (denn Gitarre spielen, mein ewiges Manko, kann ich leider nicht; nur ca. sechs Akkorde auf der Ukulele) und mir irgeneine nette Akkordfolge zusammenimprovisiert.  Dann einen Bass und zum Spaß ein paar Streicher.  Einer der anwesender Dreijährigen hat mit der Smart Drum einen Beat zusammengewürfelt.  Zum Schluss meinte J.: „Jetzt musst du auch noch irgendwas dazu singen.“  Also hab ich im Nebenzimmer den erstbesten popsongartigen Nonsens gesungen, der mir eingefallen ist. Und, weil das ganz automatisch so schön loopt, noch eine zweite Stimme dazu.  Dann musste ich aufhören – gemixt habe ich also gar nicht mehr.  Ingesamt maximal eine halbe Stunde von „Wie funktioniert denn dieses IPad eigentlich?“ bis zu dem hier:

(Falls das Einbetten nicht funktioniert: https://www.dropbox.com/s/b3bn3ddvk3cwbfp/embeeSong.mp3 )

Natürlich ist das nichts Halbes und nichts Ganzes; tausend Dinge, die mir nach mehrmaligem Hören die Ohren zu Berge stehen lassen – aber, hey, IN ZWANZIG MINUTEN!!! Ohne vorherige Ideen, ohne Notizen, einfach aus der (total intuitiven) Benutzung des Programms heraus eine Songidee zu entwickeln… Ich muss sagen: Mehr als beeindruckend – begeisternd!

Und dann kommt ja jetzt Weihnachten…Könnte ich da nicht…? Wäre es da nicht toll…?

Aber erstens bin ich ja jetzt nur noch ein armer Referendar (noch dazu blöderweise einer mit Familie und Immobilienkredit) und zweitens: Will ich mich wirklich noch mehr in den Apple-Käfig begeben? Auf dem Macbook kann ich wenigstens noch installieren, was und wie ich will. Auf dem IPad? Nix da, sagt Apple! Speicher erweitern? USB-Kabel anschließen? Nee, Embee.

Oh, aber was für einen Spaß ich hätte mit GarageBand…  David Hockney malt ja anscheinend sogar nur noch mit dem IPad… Und dieses TeacherTool soll ja auch so toll sein…

Arrgh, Apple! Arrrgh!

Twitteridee und Twitteridum

Liebe Lesende, sehr verehrte Mittwitterer,

jetzt bin ich also seit ungefähr einem Monat nicht nur Blogger, sondern auch Twitterer.  Ich hatte vorher schon einen anderen Twitter-Account, aber nur zum (unregelmäßigen) Lesen, nie zum Schreiben.  Ich habe Twitter als passives Informationsmedium genutzt, hin und wieder, und war damit ganz zufrieden.

In Verbindung mit dem Blog macht Selbertwittern plötzlich viel mehr Sinn: Eine schnelle Rückmeldung hier, einen interessanten Link posten da – gar nicht so schlecht! Macht Spaß! Und dann sogar mal ein Retweet, eine Favorisierung, eine Antwort. Schön!

Und ich denke: „Wenn man erstmal den Mund aufmacht in einer Konversation, dann hört man besser auch aufmerksam zu, oder?“  Und lese…

Aber, liebe Mittwitterer, dieses irre Grundrauschen – wie kommt ihr damit klar? Will ich alles lesen, bin ich beschäftigt wie zu meinen schlimmsten Zeiten als Spiegel-Online-Junkie*.  Lese ich nicht alles, verpasse ich im Rauschen bestimmt den einen Link, den treffenden Kommentar, den ich gerne gelesen hätte.  Da ich mich inzwischen ja fast nur noch mit Schule beschäftige und kaum noch mit Musik, Literatur, Filmen, amerikanischen Fernsehserien, KI, Clojure, generativer Kunst, usw., lese ich den zweiten Account auch gar nicht mehr. Schade, irgendwie. Aber zurzeit wäre das nur noch mehr Rauschen.

Vielleicht nutze ich Twitter ja bisher falsch. Gut möglich. Dass ich es überhaupt nutze, unterscheidet mich von meinem gesamten Bekannten- und Freundeskreis! Auch von den zehn Jahre jüngeren Mitreferendaren, erstaunlichweise. Woran das liegt? Sie haben schlicht „keine Zeit dafür“.  Das finde ich einerseits kein ausreichendes Argument, denn ich müsste viel fernsehen oder Tageszeitung lesen (was meine Freunde alle tun), um viele der Informationen zu finden, die ich von den freundlichen Mitmenschen auf Twitter auf dem Silbertablett präsentiert bekomme.  Andererseits verstehe ich das Argument vollkommen: Jede Minute auf Twitter ist eine, die ich nicht mit den Kindern, der Ehefrau, einem guten Buch, einer kreativen Tätigkeit oder – äh, vielleicht hätte ich das an den Anfang stellen sollen – der Unterrichtsvorbereitung verbringe.  Statt dessen verfolge ich Mikro-Selbstgespräche, die manchmal in kurze Dialoge münden, meistens aber im Nichts bzw. im Hintergrundrauschen verhallen. Oder kommt mir das nur so vor?

Ich bin, wie ihr seht, sehr gespalten.  Bloggen: Toll! Twittern? Keine Ahnung.

Deshalb, liebe Lesende, spiele ich den Ball in eure Hälfte: Vielleicht nutze ich Twitter ja wirklich falsch – wie nutzt ihr es? Benutzt ihr einen Client, der euch hilft signal und noise zu trennen? Listen?  Wo benutzt ihr Twitter? (Meine These: Twitter ist für Pendler!) Wann?

Danke für deine Hilfe, liebes Internet!

(Jetzt aber erstmal mit Patenkind, Tochter und deren bestem Freund ins Theater. „J+L erreichen Drachenstadt. Emma = Drache = super Tarnung! Pls RT!“)

 

* Zum Glück hat SpOn sich mir mit den Jahren sozusagen selbst entwöhnt. Denn wenn ich bild.de lesen wollte, würde ich bild.de lesen.

Prüfung!

Heute hatte ich meine erste Prüfung!

Wow, das geht alles so schnell… vor einem Jahr saß ich noch in meinem Büro an der Uni und habe über Handlungsplanung bei intelligenten Agenten nachgedacht… Heute spreche ich, als hätte ich nie etwas anderes getan, mit den Prüfern über Schulrecht und Schulorganisation, über die drei zentralen Aspekte der Aufsichtspflicht*, die acht Voraussetzungen für die Verbeamtung und die vielfältigen Wege in BaWü zur Hochschulreife.  Eigentlich unvorstellbar!

Es ist gut gelaufen, aber v.a. auch, weil ich einigermaßen Glück mit den Fragen hatte.  Nach mir hat der Mitreferendar, mit dem und von dem ich in der letzten Woche viel gelernt habe und der garantiert besser vorbereitet war als ich, eine schlechtere Note kassiert.  Blödes Gefühl, das.

Trotzdem bin ich natürlich glücklich und erschöpft wie nach einem Marathon.  Dabei waren das heute nur die ca. drei ersten Kilometer auf meinem von Prüfungsleistungen gepflasterten Weg bis zum zweiten Staatsexamen.  Egal: Die erste Etappe ist geschafft und abgehakt – das ist das Allerwichtigste!

Jetzt: Schlafen! Vielleicht auch träumen!

*Es sind natürlich – habt ihr anderen das etwa schon vergessen oder gar bisher überhaupt nicht gewusst? – die „vorausschauende Umsichtigkeit“, die „ununterbrochene Beständigkeit“ und die „kontrollierende Nachdrücklichkeit“. Ich habe gesagt, dass ich mir das nie merken kann, sondern nur: präventiv, kontinuierlich, aktiv. Hat auch gereicht!