Informatik so unterrichten, wie ich es mir wünsche

(Ich blogge ja nicht mehr. Vive le blog!)

Direkt nach dem Ende des Referendariats hatte ich das große Glück, neben meinem „normalen“ Unterricht als AG-Leiter beim Freiburg-Seminar einsteigen zu können.  Dort können „begabte“ Jugendliche sich intensiv mit Themen aus Mathematik und Naturwissenschaften befassen, freiwillig und ohne Noten, dafür umso begeisterter.

Obwohl das Seminar offiziell nur Mathematik und Naturwissenschaften im Namen trägt, gibt es dort auch Informatik-Kurse.  (Was wären die MINT-Fächer denn ohne Vokal?) Und gerade die Informatik-AGs sind besonders begehrt; wir könnten, gerade für neugierige Anfänger, locker noch ein oder zwei Kurse mehr anbieten, wenn wir dürften.  Dieser Run auf die Informatik ist auch überhaupt kein Wunder — es ist ja nicht so, dass junge Leute nicht neugierig wären auf diese Wissenschaft, diese Technologie, die unser Welt in den letzten Jahrzehnten komplett verwandelt haben.  Nein, die Schüler spüren und wissen, dass Informatik wichtig und spannend ist — nur die baden-württembergische Bildungspolitik gibt ihnen kaum eine reguläre schulische Möglichkeit dazu, sich damit auseinanderzusetzen.

(Es besteht im Augenblick die leise Hoffnung, dass sich daran demnächst doch noch etwas ändert. Aber color me skeptical.)

Jedenfalls ist es für mich eine große Freude, diese jungen Leute, die durch irgendwelche glücklichen Zufälle den Weg zur Informatik gefunden haben, zu unterrichten. In meinem ersten Jahr (2013/14) war das Kursthema noch vom Vorgänger vorgegeben, also haben wir uns mit objektorientierter Programmierung beschäftigt, aber zum Glück ohne die Zwänge eines Lehrplans.  „Programmieren kreativ“ nannte ich den Kurs und es entstanden tolle Spiele und andere Anwendungen dabei.  Am Schluss sprachen wir ein wenig über KI, mein altes Forschungsgebiet, und es wurde beschlossen, das im darauffolgenden Jahr mal genauer anzuschauen…

Was dabei 2014/15 herauskam, könnt ihr in meinem Abschlussbericht nachlesen (vollständiger Text als PDF bei Klick aufs Bild):

Teaser

Ich glaube, dass ich in den letzten beiden Jahren riesengroßes Glück mit meinen Teilnehmern hatte (s. z.B. der letzte Absatz des Berichts).  Da der Kurs in dieser Form wegen des Abgangs der Abiturienten sowieso nicht mehr weiterbestehen wird, habe ich darum gebeten, dieses Jahr eine AG für die Unter- und Mittelstufe anbieten zu dürfen, „Informatik für Programmieranfänger“.

Warum dieser scheinbare Schritt zurück im Anspruchsniveau?

Ich gebe es offen zu: Ich will nicht nur die nerdigen Jungs, die über’s Minecraft-Modden oder die PHP- und JavaScript-Programmierung ihrer eigenen Webseite zur Informatik gekommen sind.  Ich will auch die anderen hellen Köpfe, die sonst immer in der Mathe-AG landen.  Ich will die Musischen, die den Computer als Medium für Kreativität entdeckt haben.  Ich will denen, die einfach Spaß am Knobeln und Problemlösen haben, den Computer als Medium fürs Denken schmackhaft machen.  Insbesondere und ganz explizit will ich versuchen,  Mädchen für das Fach zu begeistern.  Dafür gibt es tausend Gründe, die ich jetzt nicht aufzählen kann und will (ich hab ja keine Zeit mehr fürs Bloggen).

Jedenfalls kann ich mich nicht zurücklehnen und darauf hoffen, dass diese Gruppen sich in der Oberstufe plötzlich in meinen Kurs verirren — die muss man vorher abgreifen und auf den Geschmack bringen!

Deshalb ein Anfängerkurs. Mit Snap! und später vielleicht Python.  (Von mir aus könnte es auch das ganze Jahr Snap! bleiben. Dem Niveau sind in Snap! ja keine Grenzen gesetzt. Mal sehen, wie die Stimmung so ist.)  Bisher läuft es großartig — genau wie in meinen anderen, „etwas weniger begabten“ Klassen, bei denen ich am Anfang des Schuljahres auch immer mit Snap! starte:  Hohe Motivation, viel Spaß, verschachtelte Schleifen innerhalb der ersten 30 Minuten, das erste Spiel innerhalb einer Doppelstunde.  Frust kommt immer erst auf, wenn wir zu Java wechseln müssen.

Bin gespannt, was ich alles machen kann mit meinen schlauen 12-14-Jährigen… Ich freue mich total darauf!